Freundschaft Meundschaft

Da sitz ich nun auf der Couch und habe Angst, in den nächsten Monaten, meine Wohnung nicht mehr zu haben. Aber das ist nicht das, was mich am meisten an der Sache bedrückt, das ist nur die Oberfläche, die Benennung. Die Ausrede.

Das Schlimmste was passiert: Ich muss nach Österreich zurück. Versteh mich nicht falsch, aber ich will nicht da wohnen. Es ist super, zum Urlaub machen, aber ich will nicht da leben. Es geht mir nicht darum, dass hier in Berlin mehr los ist. Sondern mehr darum, dass ich mich dort nie entfalten könnte. Es würde eine soziale Grenze geben, die ich nicht brechen kann, einfach weil ich der Sache noch nicht gewachsen bin, wie früher. Klar, irgendwann kommt der Moment, wo wir ausbrechen und sagen: „Jetzt erst recht!“. Aber dafür bin ich nicht bereit. Jetzt nicht.

Momentan ist mein soziales Umfeld klein, um nicht zu sagen winzig oder kaum vorhanden. Viele hätten an meiner Stelle vielleicht schon aufgegeben. Wären zu Mama in den Schoß und hätten sich den Kopf streicheln lassen. Ich gesteh offen und ehrlich, ich würde das Gleiche tun, wenn ich wüsste, dass es die Lösung für alles wäre. Ist es aber nicht. Nein, nicht im Geringsten!

So, was ist nun die Lösung, was soll man tun? Wenn das soziale Umfeld aus Bekanntschaften besteht. Keine richtigen Freunde, die man öfter als einmal im Monat sieht. Liebe Freunde, ich hab euch lieb und bin niemandem böse, wenn man einfach wenig Zeit hat. Trotzdem würd ich euch gern öfter sehen. Weiß aber nie, wann ich wem auf den Sack gehe.

Das Problem an der Sache ist einfach, dass ich nicht, wie andere, hier in der Schule war und mir so meine Schulkumpanen mitgebracht habe. Wobei ich nie dicke mit Schulkollegen war, gab immer nur sehr wenige.

Es ist schwer sich da zu öffnen, ohne diesen stabilen Boden. Natürlich, ich habe Arbeitskollegen, Leute, die man mal in nem Impro-Kurs kennenlernt und Menschen bei denen man gelernt hat. Doch all das sind keine Menschen die einem das Gefühl geben, ein richtiger Freund zu sein, jemand mit dem man mal aus Jux abends weggeht. Man ist immer mehr ein Anhängsel. Das man mal zum Kaffee trifft, in 6 Monaten. All diese Leute verschwinden irgendwo, sie kommen abhanden. Das ist auch in Ordnung, es gibt vieles, das nur temporär ist. Doch ein stabiles soziales Umfeld will und braucht auch jeder Mensch. Das ist überlebenswichtig. Der eine braucht es mehr der andere weniger, kein Ding.

Was mich an der ganzen Sache bisschen stutzig macht ist, dass ich nie ein Mensch mit vielen Freunden war. Immer nur ein kleiner Kreis, Leute denen ich wirklich vertraue. Das hat mich nie weiter gestört, doch jetzt habe ich eine einzige Freundin, die ich etwas regelmäßig sehe und sonst gibt es nur vereinzelt Freunde die ich mal treffe. Du wirst das wahrscheinlich verstehen, aber das reicht einem irgendwo nicht, man braucht irgendwie verschiedene Sichtweisen, das heißt nicht das irgendeine schlecht sei. Es gibt einem Menschen, wie mir nur viel, wenn er andere Meinungen hört, um den Blickwinkel zu ändern.

Ich stelle ganz blöd mal eine Frage in den Raum.
Will ich das aus Mangel oder aus Fülle? (Bitte merken, darauf komm ich zurück)

Um diese Frage zu beantworten muss ich mir erst zwei andere stellen.

Erstens: Warum will ich mehr Freunde?
Weil ich meine Freizeit nicht alleine verbringen will.
Weil ich gerne was neues erleben will. Und sein es nur kleine Momente.
Weil ich mich mit anderen unterhalten möchte, über alles mögliche.
Weil ich gerne wen anrufen will und einfach mit ihm quatschen, nur 5 Minuten, fragen wie der Tag war.
Weil ich an nem Freitagabend mal rausgehen und mit wem anderen Blödsinn machen will.
So mehr fällt mir grad nicht ein aber das ist das wichtigste was mir so einfällt.

Zweite Frage: Was hält mich davon ab diese Freunde zu haben?
Ich gehe nicht alleine raus.
Ich überlege mir keine Lösungen.
Ich bemitleide mich oft selbst, weil die anderen es ja so einfach haben. (BTW, haben sie nicht!)
Ich rede mir ein ich sei unsozial und hab es überall schwer.

So und jetzt: Will ich mehr Freunde aus Mangel oder aus Fülle?

Hier ist das grad ein riesiges Durcheinander in meinen Gefühlen und Gedanken. Es macht einerseits den Anschein, dass ich es aus Fülle möchte, weil ich gerne teile was ich weiß und meine Zeit besonders. Doch im Großen und Ganzen ist es ein riesiger Mangel. Nichts weiter.

Ich bin einsam, aber nicht allein. So viele Menschen, auch du, der das grad liest, bist ein Teil meines Umfelds. Doch ich seh das nicht und das schlimmste kommt noch.

Nicht nur andere tun das, nein, ich tue es genauso. Wir versuchen einen einzigen Menschen in diese Lücke zu stecken. Meistens in Form eines Partners. Einem Menschen, dem wir Liebe schenken wollen, damit wir vielleicht ähnlichviel wiederbekommen. Das ist ein fataler Fehler, denn damit produzieren wir etwas temporäres auf falsch gedeuteten Gefühlen. Oder einfach gesagt: Wir lügen uns selbst in die Tasche.

Ein tolles Beispiel von mir ist in den letzten Wochen zusammengekommen. Nachdem ich die zwei engsten Freunde hier in Berlin verabschiedet habe und auf einmal alleine dastand passierte genau das.

Ich traf jemanden, der anfing mir viel zu bedeuten, mit dem ich viel Zeit verbrachte. Zu dem ich ging um mir meine Sorgen vom Leib zu reden. Das ging eine Weile gut, doch als ich das Gefühl von Verliebtheit bekam, war da ein Hindernis. Nicht nur die Tatsache, dass ich es ihm sagen wollte und musste, nein auch der Fakt, dass ich glaubte es sei Verliebtheit. Doch was tat ich? 

Ich erklär es mal kurz anhand einer Metapher. Stell dir vor da ist eine Tischplatte. Diese Tischplatte braucht Tischbeine um von Nutzen zu sein. Ein stabiler Tisch braucht mindestens vier, um wirklich, gut zu stehen. Natürlich kann er auch mit einem stehen aber, das ist sehr instabil. Wenn jetzt, von diesen angenommen vier Tischbeinen, zwei wegfallen wird das schwierig, der Tisch wackelt und kann nicht richtig genutzt werden. Man versucht ihn zu stabilisieren, dafür nimmt man ein Stück Holz und versucht damit die zwei fehlenden Tischbeine zu ersetzen. Vergisst aber dabei, dass dieses Stück Holz nie lang genug sein wird um beide in gleichen Maßen zu ersetzen. Man gibt dem Holz eine Aufgabe, die es nicht erfüllen kann.

Genau so, war das mit dem jungen Mann. Ich meinte zwar immer ihm nicht viel abzuverlangen. Jedoch nahm ich nicht wahr, dass ich von ihm unmögliches verlangte. So zerbrach die ganze Situation, ich sah in ihm den schlechten Menschen, dabei war ich vielleicht nicht viel besser. Deswegen habe ich die Sache abgeschlossen. Es belastet nicht nur mich.

Was ich mit all diesen Fragen festgestellt habe, war anfangs sehr surreal für mich. Überhaupt nicht greifbar, aber schmerzhaft. Denn eigentlich wollte ich ja nur Freunde haben, aber ich bin mir selbst keiner. Es tut weh sich diese Fragen ehrlich zu beantworten. Denn die Antwort will man nicht hören. Doch würde ich nicht ehrlich zu mir sein würde ich meinen höchsten Wert, die Ehrlichkeit, hart mit Füßen treten.

Das soll jetzt nicht heißen, dass ich aufgebe. Denn es gibt viele Menschen, die an mich glaube und die hinter mir stehen. Die sind eben nur ein bisschen weiter weg, das heißt nicht, dass sie nicht da sind. Ich mag alleine sein, körperlich, aber ich bin nie wirklich alleine. Etwas, dass ich mir wirklich hinter die Ohren schreiben muss.

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