Einfach sein

Ich muss das so machen, weil alle anderen es auch so machen. Und weil die schon erfolgreich sind und ihre Ziele benennen können, muss ich das auch. Aber wie soll ich es denn benennen? Vielleicht so? Oder ist es doch das? Ach manno, ich hab doch keine Ahnung.

Ich führe öfter innere Monologe, in denen ich mich selbst unter Druck setze, um auf eine mega cool Formulierung zu kommen. Das passiert mir auch, ab und zu mal, hier beim schreiben. Dann lösche ich Absätze um sie „cooler“ zu formulieren. Sie so zu schreiben, wie erfolgreiche Blogger es tun würden, meiner Meinung nach. Doch was tun die „Erfolgreichen“? Ja, nichts anderes als sie selbst zu bleiben. Und ich versuche mich in ein Bild zu quetschen, dass ich vielleicht gar nicht bin.  Schön blöd, würd ich sagen.

In letzter Zeit überlege ich, ob ich an einer neuen Idee arbeiten sollte. Aber ich „wusste“ nicht was da mein Thema ist. Als mein Coach meinte, er wüsste es und ich eigentlich auch, aber ich sehe es grade nicht, zerbrach ich mir den Kopf. Tagelang überlegte ich was das für ein Thema ist. Und dabei hatte ich es wirklich wortwörtlich vor meiner Nase. Jap, ich rede hier von dem Blog. Mein Blog ist das Thema. Also ernsthaft, einfacher hätte es nicht sein können.

Manchmal bin ich doch blinder als ich es eigentlich bin. Aber das sind wir alle mal. Jeder sieht mal den Wald vor lauter Bäume nicht. Und das ist auch vollkommen in Ordnung, denn manchmal ist der Weg zu dieser Lösung ziemlich lehrreich. Man verläuft sich, trifft neue Leute auf dem Weg, geht zurück, weil man was vergessen hat und ändert nochmal die Richtung. Das hört sich jetzt alles super einfach an und ist es im Grunde auch. Doch wir sehen da ab und zu ein Problem mehr als eigentlich da ist.

Ja, auch ich gehöre zu den Menschen, der immer als kompliziert macht. Okay, vielleicht nicht immer. Aber ziemlich oft. Besonders bei den Dingen, die wirklich super einfach sind. Ganz genau weiß ich nicht woran das liegt aber ich habe ein Vermutung.

Also, ich habe schon mal, in einem meiner Lives, darüber gesprochen, dass ich öfter um die Aufmerksamkeit von anderen gekämpft habe. Tun übrigens so gut wie alle Menschen. Und ich verbinde es dieses Überkomplizieren auch damit. Denn in meinem Kopf sieht das dann so ungefähr aus:

Okay, ich muss jetzt den übercoolen Namen dafür finden, damit andere den cool finden. Und da ja auch andere einen super fancy Namen haben brauch ich den auch. Sonst wird das ja auch nichts. Und wenn ich den dann habe wird das alles schon. Genauso muss ich dann voll profimäßig rüberkommen und alles machen wie meine Vorbilder, denn die haben es ja damit auch geschafft. Und wenn ich das alles gemacht habe, dann finden mich alle toll.

Oh Gott, Gloria. Ernsthaft?! Was denkst du dir da eigentlich? Ich dachte, dass ich über diese Phase hinaus bin, aber anscheinend nicht. Natürlich mag ich schon weiter sein und bin auch nicht mehr so schnell gefrustet aber das ist echt übertrieben. Genau mit diesen Gedanken mache ich mir immer alles kaputt, im Sinne von, ich leg mir selber Steine auf den betonierten Weg. So um die wieder wegzuräumen brauch ich natürlich ne Weile. Aber ich sag mal: Selbst schuld!

Ab und zu sitze ich dann auch da und warte, dass sich die Steine in Luft auflösen, das ist jedoch aber ziemlicher Bullshit. Da kann ich ja ewig warten.

Es mag schwierig sein irgendwas einfach hinzunehmen aber warum hat unsere Gesellschaft das „Einfach sein“ verlernt. Alles muss tausend Möglichkeiten haben, wie der Käse im Supermarkt, dabei schmecken die dann alle gleich.

Warum ist das so? Warum müssen wir alles schwierig machen?

Ganz einfach, uns wird von klein auf beigebracht, dass nichts einfach ist. Wir bekommen Jahre lang symbolisiert, dass wir für alles kämpfen, kreativ und anders sein müssen. Dabei bewirken wir mit dem Schulsystem und komischen Irrglaube, von alten Generationen, genau das Gegenteil. In der Schule sollen wir uns anpassen und in der Familie wird man nicht akzeptiert, wenn man das macht was man möchte. Nein, man wird als vorlaut und aufmüpfig deklariert. Irgendwann geben Kinder oder Jugendliche den Kampf, um ihr einfaches Ich, auf und passen sich an. Sie geben ihr einfaches Leben freiwillig ab um akzeptiert zu werden. Nur wenige schaffen es durchzuhalten. Auch ich habe oft mit dem Gedanken gespielt einfach dazuzugehören, aber immer wieder zeigte mir meine eigenständige Entscheidung, dass es einfacher ist, man selbst zu bleiben. Somit kämpfte ich heute noch, auch wenn es manchmal nicht einfach war.

Was möchte ich nun? Anfangs dachte ich mir: „Okay, ich hab keinen Plan!“. Aber als ich mit dem Post hier anfing war noch nicht klar, dass ich innerhalb einer Stunde herausfinde warum ich das alles hier tue. 

Ich will ich sein.
Ich möchte, dass jeder hier er oder sie selbst sein möchte und auch kann.

Der Grund warum ich diesen Blog hier schreibe ist genau der. Jeder hat es verdient einfach er/sie selbst zu sein. Egal wie das aussehen mag und wie er/sie das anstellt. Jap, ich glaube ich habe grade genau das gefunden was ich krampfhaft gesucht habe. Mein Warum.

Ich möchte einfach sein.

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