Moment mal, Leben!

Flackerndes Licht, viele tanzende Menschen und laute Musik, deren Bass deinen Körper zittern lässt. Hände die mich festhalten und an den anderen Körper drücken. Und plötzlich taucht ein Gedanke auf. Ein Gedanke, der mich aus der Szene reißt.

Was wird aus meinem Versprechen?

Ich gab ein Versprechen. Ich würde mich fernhalten und was tue ich nun? Ich tanze mit jemandem, mit dem ich es nicht tun sollte. Mein Hirn fing an tausende Gedanken zu spinnen, von den schrecklichsten Szenarien, bis hin zu ziemlich schönen. Und plötzlich tauchte ein Gedanke auf. Ein Gedanke, der mich in den Moment zurückholte.

Dieser Moment passiert nur jetzt, also sei hier.

So tanzte ich trotz eines Versprechen mit jemandem, mit dem ich es nicht tun sollte. Nur weil ich es genoss, genau da zu sein, in dem Moment. Es ging mir nicht um diese Person, mit der ich tanzte, nein, es ging um mich. Mich, die junge Frau, auf der Tanzfläche, die Spaß hatte und die Musik, die Menschen und all das Leben, das um sie herum geschah, genoss. In vollen Zügen.

Mein Versprechen kam wieder zur Sprache, als ich übermütig wurde. Ich stellte ein menschliches Bedürfnis über meine Freundschaft. Aus einer Situation vor fast einem Jahr lernte ich, dass ich sowas nie wieder tun werde. Ich fragte um Erlaubnis und merkte, dass ich 21 Jahre meiner Freundschaft, nicht auf’s Spiel setzen werde, wegen einem Bedürfnis, welches ich nur kurz stillen könnte. Somit war es für mich klar.

Der Moment, den ich genoss und versuchte ihn mit einem ziemlich flüchtigen Bedürfnis auszudehnen war vorbei. Man kann diese Momente nicht festhalten, noch ausdehnen. Sie können zurückkommen, in Erinnerungen und in der Empfindung in einem neuen Moment, aber sie werden immer anders sein.

Am Tag danach fiel mir etwas auf. Nur zwei Tage davor, sagte mein Freund zu mir: „Ich bin zu jung um irgendwo zu chillen, ich will was erleben.“ .

Dieser Satz beschrieb irgendwie genau das, was passiert war. Ich habe einen unglaublich intensiven Moment erlebt, als ich rausging und mich den Menschen öffnete. Wenn ich so wie jetzt beim Schreiben zu Hause sitze, passiert das nie. Noch nie habe ich auf meiner Couch beim Film gucken einen solchen Moment erlebt. Was auch irgendwo klar ist. Ist ja auch nicht wirklich spannend. Und ich bin ja auch alleine, auf meiner Couch. (Also wirklich, was erwarte ich!)

Auch wenn ich gerne alleine zu Hause schreibe und mir mit lauter Musik die Worte von der Seele schreibe. Es gibt Tage an denen sollte ich meine inneren Mauern niederreißen und mich in die Welt begeben. Ich bin jemand der sich schnell in die Isolation verzieht, einfach aus sozialer Faulheit. Da mag ich auch gut mit Menschen können, aber ich bin „aktionsfaul“. Das muss ich mir langsam abgewöhnen, denn auch wenn es mal gut ist, mit mir alleine zu sein und mich mit mir auseinanderzusetzen, ist es genauso wichtig, mich mit anderen auseinanderzusetzen.

Mein Umfeld ist immer noch ziemlich klein, aber ich habe auch gelernt, dass es einfacher wird wenn man aufsteht und sich einfach zu anderen setzt. Denn genau das bewirkt, dass wir uns unterhalten. Unglaublich? Oder? Was für ein Wunder. (Okay, sorry. Ich lass mal den Sarkasmus wieder)

Als ich bei meinem Kumpel in der Runde saß und niemanden kannte, war es wie früher. Ich saß da und hoffte, dass irgendwer mich anspricht. Passierte nur nicht. Nachdem ich mir anhören musst, dass ich ja immer damit prahle, dass ich gut mit Menschen kann, reichte es mir. Somit laberte ich einfach das Paar neben mir an. Puh, ein Anfang war getan und die Angst verließ mich langsam, nachdem ich rausfand, woher sie ihn kannten. Und manchmal ist Alkohol wirklich ein gutes Mittel um jemanden in ein Gespräch zu verwickeln. Nein, ich meine nicht das trinke, ich trinke nämlich keinen mehr. Somit kam ich mit jemandem ins Gespräch, nachdem er mir was zu trinken anbot und ich höflich ablehnte. Damit führte eins zum anderen und man hat ein Gespräch.

Als meine Angst dann vollkommen weg war, war ich einfach ich selbst und ich merkte: Keiner guckt mich schief an, weil ich so bin wie ich bist. Das war ein tolles Gefühl und ich denke, für mich wird es nun einfacher auf neue Menschen zuzugehen, denn es mach schon Spaß Leute kennenzulernen. Sehr viel sogar.

Nur weil auf einer Party anfangs alle mit ihren mitgebrachten Freunden reden heißt das nicht, dass man sich zu Tode langweilt. Denn irgendwann hat man mit A ein Gespräch angefangen und B ist so betrunken, dass er mit C aus lauter Offenheit anfängt zu philosophieren. Damit will ich hier keinen Aufruf zum Komasaufen geben, aber guck doch mal: Betrunken zeigen uns einfach oft, dass man mit einem offenen Wesen weiter kommt, als mit einem nüchternen und zugeknöpften. Unsere Gesellschaft verurteilt Betrunkene nur dafür, dass sie Alkohol im Blut haben und unkontrolliert sind. Aber doch nie für ihre offne Art und die Ehrlichkeit. Es ist immer die Art und Weise wie sie das rüberbringen.

Ich wurde gefragt warum ich keinen Alkohol trinke. Meine Antwort darauf ist: „Weil ich auch ohne Alkohol den gewünschten Effekt erzielen kann.“. 

Das Ganze braucht vielleicht mehr Mut und mehr Zeit, weil man die Überwindung erstmal meistern muss, aber für mich geht es auch ohne. Um Spaß zu haben und meine Hemmungen fallen zu lassen brauche ich keine chemische Lösung die ich mir einflöße. Nein, ich kann diese Glückshormone auch alleine produzieren, ohne diese Hilfe. Zumindest ist das mein Ziel und ich werde daran arbeiten.

Als ich anfing mit diesem Text hatte ich Angst irgendjemanden damit wieder auf die Füße zu treten. Aber wir sind alle Menschen mit Bedürfnissen, die wir versuchen zu stillen. Und ich werde nicht unehrlich sein, nur weil ich Angst habe, dass mich dann jemand hasst oder verurteilt. Denn eins ist gewiss, wenn mich jemand, für das was ich tue und mir wünsche, hasst/verurteilt, kann sich verpissen, mit seinem Problem. Denn ich akzeptiere alle und deren Bedürfnisse. (Und somit auch dein Problem, also nimm es an die Hand und geh.) Sollten mir die im Moment nicht passen muss ich eben gehen, aber ich werde keinen überreden, weil es dann, in meinen Moment, passt. Ich habe ja gelernt, was passiert, wenn man versucht einen Moment auszudehnen.

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