15.379 Mal versucht

Mein Hals schnurrt sich zu. Ich habe Herzklopfen. In meinem Kopf schießen alle möglichen Gedanken durcheinander. Atmen kann ich nur mehr ganz flach.

Das ist meine körperliche Reaktion, wenn ich Angst habe. Bei dir wird es wahrscheinlich ähnlich sein. Von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Aber das Gefühl wird immer das Gleiche bleiben. Immer Angst.
Was macht den Unterschied?
Die Sache wovor wir Angst haben. Der Grund warum wir Bauschmerzen bekommen.

Nachdem ich einige Posts und mehrere Bücher gelesen habe, ist anscheinend, die Angst vor dem Versagen und der Ablehnung am meisten verbreitet. Wundert mich irgendwo wenig. Denn wenn man so überlegt: Versage ich, werde ich auch abgelehnt. Das ist in unseren Urinstinkten verankert. In der Steinzeit wäre Versagen der Tod gewesen, genauso die Ablehnung.

Doch wir leben erstens nicht mehr in der Steinzeit und zweitens haben wir uns weiterentwickelt, nicht nur körperlich sondern auch geistig. Deswegen werden diese beiden langsam überflüssig.

Wie viele Menschen leben auf der Erde? Anfang 2019 sollen es um die 7.674.575.000 Menschen gewesen sein.
Da kann mir nun wirklich keiner mehr erklären, dass ihn Ablehnung umbringt. Denn unter diesen ganzen Menschen wird es immer irgendwo einen Menschen geben, der dich nicht ablehnt.

Genauso wirst du durch Versagen auch nicht mehr sterben, außer du springst aus einem Flugzeug und bist unfähig deinen Fallschirm zu öffnen. Dann ist die Wahrscheinlichkeit ziemlich hoch, dass du stirbst. Aber wenn du nicht gerade sowas machst, dann wirst du nicht durch einen falsch gesetzten Schritt sterben, weil du dir das Bein brichst. Oder an einer vermasselten Schularbeit. Versagen liegt irgendwo im Menschen und ist auch vollkommen notwendig für uns, da wir so lernen wie es nicht funktioniert. Dann wird eben ein neuer Weg gesucht.

Neue Wege. Genau das macht uns auch Angst. Weil es neu ist. Es noch nicht kennt.
Und so geht es mir im Moment auch.
Ich habe Angst.

Wovor? Vor meiner Hausaufgabe für mein Studium. Ja, natürlich auch vor dem Versagen. Es ist so ein typisches Gesamtpaket.

Für meine Hausaufgabe soll ich über ein Thema recherchieren. Nur ganz klein, keine große Sache. Das ist für mich innerlich irgendwo ein Weltuntergang, obwohl ich weiß, dass ich schon ganz andere Sachen geschafft habe.

Da wäre ich bei meiner typischen Reaktion, ich kasteie mich selbst dafür und versuche mir im gleichen Atemzug eine Lösung aus den Fingern zu saugen. Aber anstatt mir diese Sache nicht selbst aufzuerlegen und es als Antrieb zu verwenden, versetze ich mich in eine Art Selbstmissbrauch. Es ist wie Folter, jap. Ich stell mich an und tue so als wäre ich ganz arm dran. Aber da ich im Kopf quasi Gedanken habe wie: „Jammern ist jetzt nicht gut und das ist auch nicht besonders hilfreich!“, setze ich mich hin und versuche mit Affirmationen dagegen zu wirken. Ohne Witz, warum sind Menschen manchmal so bescheuert. Naja, bevor ich hier wieder das gleiche mache, schreib ich lieber wie es ist, wenn man diese Angst als Schub benutzt.

Wo war ich? Bei meiner Hausaufgabe! Nachdem ich im Nachbarschaftsforum ein ganz cooles Thema gefunden habe überlegte ich womit ich anfangen müsste. Ich fing an mit den einfachen Dingen, meine Ideen in Mindmaps zu schreiben. Und dann meldete ich mich bei der Aktion an. Der nächste Schritt war es den Mann, der das gepostet hat, anzuschreiben, keine Thema, war schnell gemacht. Als ich dann von dem eine sehr liebe und nette Antwort inklusive seiner Handynummer bekam, fing es an „schwierig“ zu werden. Zuerst antwortete ich noch mit einer Nachricht, aber danach dachte ich mir, es wäre doch viel einfacher und schneller, ihn gleich anzurufen. Achtung, meine kleine Schisser-Gloria schaltet sich hier ein und verbreitet Angst und Schrecken in meinem Kopf. Alle anderen waren im Aufruhr und rannten durch die Gegend. Ich war irgendwo zwischen „Ich-werde-sterben“ und „Kein-Bock-da-rumzuschreiben“.

Was tat ich? Ich speicherte wie in Trance die Nummer ein, legte mein Handy kurz weg und starrte auf meinen Bildschirm. Ohne auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden, was schief gehen kann, nahm ich mein Handy, suchte den Kontakt und rief an.

Jahahahaha, ich bin nicht gestorben und ich habe keinen Schlaganfall bekommen. Nein, ich habe mehr Infos erhalten und bin mit der Planung meiner Recherche weitergekommen. Ebenfalls haben wir geklärt wann wir uns treffen, damit ich meine Fragen stellen kann. Krass oder? Was da alles passiert wenn man einfach gedankenlos loslegt und die körperliche Reaktion der Angst mitnimmt.

Früher war für mich das anrufen meiner Familie schon eine Herausforderung. Mit meinen Jobs lernte ich diese Panik vor dem Plastikding langsam in die Normalität überlaufen zu lassen. Keine Probleme mehr beim Rangehen oder Anrufen von Behörden. Ab und zu bin ich da auch noch nervös, kann da aber immer ruhig bleiben, wenn der andere rangegangen ist. Dieses Telefonat war aber anders, da ich noch nie eine offizielle Recherche mit allem Drum und Dran gemacht habe. Da ich auch noch keinen Presseausweis habe, dachte ich mir anfangs, dass ich so überhaupt nicht weit komme, aber das Stück Papier ist anscheinend wirklich mehr Deko.

Es gibt vieles was ich noch nie getan habe und noch tun muss, weil ich weitergehen will. Aber es wird immer eine Überwindung meiner Angst geben. Irgendwann werde ich es unterbewusst tun und nicht mehr drüber nachdenken. Dann wird dieser Antrieb zum Automatismus, der mir mein Leben vereinfacht, obwohl mein Körper sich grad in die Hose macht. Bis ich da angekommen bin, braucht es noch eine Menge Wiederholungen und die werde ich machen. Wenn sie schiefgehen, okay, passiert. Wenn sie klappen, dann kann ich stolz sein.

Jeder hat Angst, nur nicht jeder nennt sie so.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.