SOS, bitte um Hilfe

Ein Knall. Der harte Boden unter mir. Eine Stimme die sagt: „Oh mein Gott, das tut mir so leid, ich hab dich nicht gesehen!“. Jemand der mir aufhilft. Leere im Kopf.

Nur wenige Sekunden nach dem Aufprall kamen mir viele Gedanken. Nicht das was man sich so vorstellt. Kein: Ich-hätte-sterben-können, Was-wäre-passiert-wenn-ich-schneller-gewesen-wäre oder Es-gibt-noch-so-viel-was-ich-machen-will.

Nein, in meinem Kopf stellte ich mir die Frage, wie ich den anderen am wenigsten Probleme bereite. Deswegen schickte ich den Fahrer weg, ohne die Polizei gerufen zu haben.

Jetzt im Nachhinein, nachdem ich unglaublich viel Hilfe bekam, nicht nur von meinem Coach, der mich beriet. Sondern am allerwichtigsten, von meinem Kollegen. Nicht nur er sondern auch andere auf meiner Arbeit haben mir geholfen. Und dafür bin ich unglaublich dankbar. Jetzt fragt man sich, was das Problem daran ist.

Es war mir unangenehm. Am liebsten wäre ich im Erdboden versunken. Auch wenn ich mich unglaublich gefreut habe, es war so schwer für mich nicht tausendmal Danke zu sagen und Entschuldigung.

Der Grund für dieses Dilemma, ist ein Glaubenssatz der sich ganz tief eingebrannt hat. Es gab irgendwann in meinem Leben eine Situation in der sich der so manifestiert hat, dass ich ihn bis heute mit einer so krassen Reaktion mitnehme. Der Glaubenssatz hat damit zu tun, dass ich keine Hilfe annehmen kann. Besonders nicht, wenn ich keine Gegenleistung erbringen kann. Egal in welcher Form ich eine erbringen könnte, ich würde es auf der Stelle tun. Denn ich habe in meinem Hirn den Gedanken, dass ich es nicht wert sei, dass der andere seine Lebenszeit für mich opfert. Da mag ich die Hilfe noch so sehr brauchen, es ist mir nicht wohl dabei.

Doch woher kommt das? Was ist damals passiert?
Es gibt eine Tatsache, die das ganze auf jeden Fall mein Leben lang begleitet hat. Meine Schwester brauchte immer Hilfe, sie hatte Probleme in der Schule und irgendwann hatte meine Mutter mal die Befürchtung sie hätte irgendeine Beeinträchtigung. Um eins klarzustellen, meine Schwester ist ein gesunder Mensch, der einfach anders denkt. Sie ist weder krank noch hat sie ne Macke. (Abgesehen von der üblichen menschlichen Macke, die jeder hat)
Aber ich sah halt von klein auf, dass sie mehr Zuwendung brauchte. Deswegen etablierte ich irgendwann ein Muster, dass ich alles alleine schaffen müsse, um meinen Eltern nicht noch mehr abzuverlangen. Keine Hilfe in der Schule und keine Sorgen wegen schlechten Noten. Genauso habe ich nie größer Probleme gemacht mit meinem Verhalten. All das habe ich nie bewusst gemacht. Das hat mein Unterbewusstsein irgendwann mal entschieden.

Die Folgen von dem Ganzen?
Ich konnte bis September 2018 keine Hilfe annehmen. Egal in welcher Form, du konntest mir helfen, aber es war mir unglaublich unangenehm und ich habe versucht eine Gegenleistung zu finden. In den letzten Monaten lernte ich wenigstens die Hilfe für die ich bezahle oder eine Gegenleistung erbringe, keine unangenehmen Gefühle mehr zu haben. Das hat sich rasant geändert und es war kein Problem mehr für mich auch um Hilfe zu fragen. Besonders auf Arbeit viel mir das zunehmen leichter. Ich verstand, dass ich keine Insel bin.

Und dann kam der Unfall. Alle wollten mir helfen, aus welchem Grund auch immer. Und ich wollte einfach nur alleine sein, nicht mehr in der Schuld anderer stehen. Da wurde mir klar: Ich habe nichts verstanden!

Überhaupt nichts. Denn in dieser Situation hätte ich ebenso geholfen ohne etwas dafür zu wollen. Egal welcher meiner Freunde, die noch übrig sind, ich hätte mir ein Bein ausgerissen um zu helfen. Und selbst kann ich diese Hilfe nicht annehmen, ohne das Gefühl zu haben ihnen etwas schuldig zu sein. Warum? 

Der Glaubenssatz sitzt tiefer als gedacht und irgendwann muss etwas passiert sein. Etwas das mich so geprägt hat, dass ich mich nicht für wertvoll erachte wenn man mir helfen will.

Mein 2019 hat nicht so toll angefangen. Ich stand nach wenigen Wochen alleine da. Und es sieht nicht danach aus, als würde sich in der Hinsicht etwas ändern. Aber ich habe eins kapiert. Auch wenn ich mich allein fühle und grad keinen engen Freunde um mich habe, dann bin ich trotzdem nicht alleine. Auf keinen Fall! Denn egal wo ich bin, in einer Situation wie Montag wird immer irgendwo ein Mensch sein der hilft. Ob ich den nun kenne oder nicht. Spielt auch gar keine Rolle.

Ich stell mal hier kurz meine 2019 auf:

Januar – Meine zwei besten Freunde hier in Berlin, verlassen meine Leben.

Februar – Ich kämpfe damit und grabe nach meinen Zielen.

März – Ziele fokussiert und der Blog ist in Arbeit.

April – Der Blog kommt, ein Freund verbietet mir etwas und eine stressige Hausaufgabe.

Mai – Das Verbot beschäftigt mich so hart, dass ich vollkommen unkonzentriert bin und einen Unfall habe.

Das Ganze hat eine relativ gute Kurve, aber für mich seh ich da grad nur einen sehr holprigen Start. Wirklich, für mich war es bis jetzt ein harter Kampf um vieles aber nicht um das Wichtigste.

MICH

Ja, ich bin der festen Überzeugung, dass mir das Jahr eigentlich nur zeigen will, dass es einzig und allein um mich geht. Nicht um die anderen und schon gar nicht meine Ziele. Nope, es geht um mich. Jahrelang habe ich zurückgesteckt. Egal, ob Familie, Freunde oder Arbeit. Nope, es geht darum ob ich auf mein Herz höre. Mit dem ganzen Start hier wollte mein Unterbewusstsein nur, dass ich endlich aufwache. Denn es ist mein Leben und es gibt einiges das nicht so läuft wie es sollte.

Also was ist der Plan? Ich hab keinen, Leute.
Erstmal weiß ich, dass es anscheinend nötig ist, die ganzen Menschen loszuwerden die mich behindern. Das ist wirklich nicht böse gemeint und klar Freunde sollten nicht da sein um einen Nutzen zu erfüllen. Aber wenn Hilfe benötigt wird sind Freunde da und versuchen eine Stütze zu sein. Und deswegen werde ich nur die Menschen erstmal mitnehmen, die mir helfen MICH zu finden. Zu lange habe ich auf andere geachtet und das wird nun noch deutlicher.

Noch einmal sage ich es: Nur ich selbst bin das Wichtigste.

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