Oh Gott, Menschen

Vor nicht all zu langer Zeit gab es da ein Gefühl, dieses Gefühl war gestern nicht da. Ziemlich komisch, da ich mich sehr daran gewöhnt hatte und es fiel mir sofort auf, dass es eben nicht da war. Den ganzen Tag stellte ich mir die Frage, wo es denn hin sei. (Vielleicht ist es Zigaretten kaufen gegangen)

Von welchem Gefühl rede ich?
Ich würde es Angst nennen, Angst vor dem Neuen, Angst vor der Ablehnung, oder Angst vor dem Verbiegen.
Manche sagen auch Nervosität dazu. Aber bei mir würde ich sagen, es war Angst.

Wann das Gefühl auftrat fragst du dich? An Abenden oder Tagen wie gestern. Eingeladen zu einer Grillparty, mit Nachbarn. Einige davon habe ich nur einmal gesehen und für meine Hausaufgabe interviewt. Den Rest, kannte ich nicht. Da fragen sich die meisten wahrscheinlich wovor ich da Angst haben sollte. Ja, gute Frage, nächste Frage. Vor nichts!

Früher, als mich mein Ex mit auf Geburtstagspartys nahm oder Freunde von mir, mich zum Feiern mitnahmen, trat genau das auf, Angst. Verkrampft wartete ich auf den Zeitpunkt wo man los musste, den ganzen Tag vor lauter Panik kaum was gegessen oder getrunken. Auf der Party dann angekommen war ich so verkrampft, dass ich meinem Ex oder Freunden die ganze Zeit am Arsch klebte. Natürlich ist der andere irgendwann genervt, so auch mein Ex oder meine Freunde.

Was ich denen eben nicht gesagt hatte, oder es ihnen gesagt habe, aber sie es nicht ernst nahmen: Ich hab Panik geschoben, weil ich nicht wusste ob da Menschen dabei sind, die ich mag und mit denen ich mich unterhalten kann.
Ja, in meinem Hirn, da haben sich die wildesten Szenarien abgespielt, von superdupertoll bis hin zu Erdboden öffne dich.

Anfangs habe ich nie was gesagt, bis mein damaliger Freund eben ziemlich sauer wurde und ich ihm heulend erklärte, dass ich nicht weiß was ich tun soll und mir das Angst macht. Seit dem gab ich meine Angst erst zu, wenn die andere Seite merkte, dass ich irgendwie komisch war.

Jeder der mich kennt und auch nur einen Funken von mir gesehen hat, denkt sich wahrscheinlich: Wat? Gloria? Dat kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen! Tu doch nicht so.

So war es dann auch für die Menschen, die auf solchen Feiern auf mich zukamen, sehr irritierend als ich nach einer Weile, alle Masken fallen ließ. (Zumindest mit einem gewissen Zeitaufwand, ab und an auch Alkoholpegel)
Die Leute sagen mir dann, im Nachhinein, dass sie mich für eingebildet gehalten haben oder für einen Snob oder ähnliches.

Da ich mir ziemlich sicher bin, dass jeder solche Abend schon hinter sich gebracht hat, dachte ich mir eben erst jetzt, dass es eigentlich ziemlich blöde war, Angst zu haben. Naja, aber das sieht man vor lauter Hysterie in dem Moment eben einfach nicht.

Aber um auf den eigentlichen Punkt zurück zukommen, wieso war die Angst gestern nicht da?
Das ist eine sehr gute Frage, eine die ich mir bis gestern selbst nicht erklären konnte. Doch als ich nach dem Grillen heimging fiel es mir wie Schuppen von den Augen.

Ich war ich selbst und irgendwo hatte ich Angst, aber ich hab nicht, wie früher dagegen angekämpft. Nein, ich habe sie mit ausgebreiteten Armen erwartet und gesagt: „Ist okay, die sind lieb!“.

Die Chance, mich von Anfang an, so zu zeigen, wie ich wirklich bin. Ohne, das Bild meiner Begleitung oder den Freunden zu zerstören. Es fühlte sich wie ein neues leeres Dokument in meinem Schreibprogramm an. Ohne jegliche Muster, an die man sich halten muss oder Vorgabe, die ich erfüllen soll. Einfach nichts. Und das hatte einen unglaublich beruhigenden Faktor.

Natürlich war ich am Anfang etwas zurückhaltend und wusste nicht so recht wohin mit mir, aber das dauerte nicht lange an. Innerhalb von 5 Minuten verhielt ich mich wie zu Hause: große Klappe, immer nen Spruch auf den Lippen und sehr viel Herz. (Auch wenn man das Herz, oft nicht gleich sieht)

Es war ein unglaublich schöner Abend, an dem ich viel Neues lernte sowie Menschen kennenlernen durfte die mich inspirierten und zum lachen brachten. Eine Gruppe voller Herzensmenschen.

Das einzige was zum Ende hin zu sagen bleibt: Ja, wir haben zu viel gegessen, aber mindestens genausoviel gelacht.

Für den ganzen Abend und die Erfahrung, dass man nicht abgelehnt wird, wenn man sich selbst treu bleibt und das unglaubliche Gefühl, bin ich einfach nur unendlich dankbar.

2 Gedanken zu “Oh Gott, Menschen

  1. Albrecht Trübenbacher sagt:

    Liebe Gloria,
    schön, dass du dich wohl fühltest unter uns und das Gefühl, willkommen gewesen zu sein – nach meiner Erfahrung ist es übrigens so, dass Menschen mit großer Klappe viel Herz und oft viel Scheu haben – andere sind schlichtweg arrogant, aber das merkt man dann auch schnell an den Themen, die sie besprechen …
    Somit: Gerne wieder und vor allem: Bleib uns so erhalten, wie du bist!

    1. GeGl05 sagt:

      Hallo Albrecht,
      ja, es ist so, Menschen mit einer großen Klappe verstecken oft etwas. Meistens das eigene Ich und die Gefühle. Doch ich lernte, dass ich das alles überhaupt nicht verstecken muss. Freu mich ein Teil von all dem zu sein

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.