Kein Grund

Einsamkeit, was bedeutet das für dich? Alleine sein? Keine Familie? Keine Freunde? Oder einfach nur das Gefühl verloren zu sein?

Ich muss dir sagen, für mich ist Einsamkeit ein ziemlich beklemmendes Gefühl, das mich oft mal ziemlich dumm handeln lässt. Also vielleicht nicht ganz dumm aber im Nachhinein bisschen dämlich.

So, wo fang ich an, am besten bei meiner Oma. Vor einigen Wochen war ich meine Oma besuchen. Sie ist einsam, da mein Opa letztes Jahr gestorben ist und jetzt einfach die Person die mehr als 50 Jahre an ihrer Seite war, weg ist. In gewisser Weise verstehe ich meine Oma. 

Nicht weil sie jemanden verloren hat sonder in dem Gefühl der Einsamkeit. Öfter kommt in mir das Gefühl hoch ich sei alleine und niemand liebt mich. Aber dabei müssen wir nur ein paar Kilometer fahren und da ist jemand anderes der genauso einsam ist. Irgendeine arme Seele aus der Familie.

Okay, okay. Ich sollst mir jetzt die Frage stellen, warum ich überhaupt zu meiner Oma gefahren bin. Ich habe doch den Kontakt abgebrochen. Erstmal bin ich nach dem Tod meines Opas hingefahren, weil ich für meine Oma da sein wollte. Es ging mir nicht um meinen Opa und schon gar nicht um den Rest der da war. Nur um sie. Denn ich glaubte ich verstehe sie sehr gut. Sie hat sich ihr Leben lang angepasst und überlebt, anstatt gelebt. Das hat niemand verdient. 

Nach einigen Wochen fuhr ich nochmal hin und ich fragte mich, warum ich überhaupt hinfahre. Jedes Mal wenn ich da rausgehe scheine ich völlig deprimiert. Und somit sagte ich einige Wochen später, als ich wieder da war, zu meiner Oma: „Ich werde nur mehr wegen dir kommen. Mit dem Rest möchte ich nichts mehr zu tun haben.“.
Klar, das war ein Schock für meine Oma. Sie nahm an ich würde wieder Frieden mit der Familie schließen. Doch für mich gibt es in der Hinsicht keinen Familienfrieden mehr. Diese Menschen haben versucht mich zu ändern und einen ihrer Meinung nach „vernünftigen“ Menschen aus mir zu machen.

Somit kam die Frage wieder auf als ich vor kurzem wieder da war. Warum tut ich mir das grade an? Den Weg über fragte ich mich, warum ich immer wieder das Gefühl habe, dort zurück zu müssen. Was habe ich davon? Nichts.
Fahre ich dorthin um Anerkennung zu bekommen? Besuche ich sie um den anderen zu zeigen, dass ich was vernünftiges bin? Komme ich wirklich um Omas Willen?
Noch mehr solcher Fragen schwirrten in meinem Kopf und ich wurde nicht schlau daraus. Immer und immer wieder kam ich darauf zurück, dass ich danach nie glücklich da raus gehe. Jedes Mal liegt ein Schatten auf meinem Herz. (Das ist ein ekelhaftes Gefühl)

Es galt also nun herauszufinden was der Grund war, warum ich dorthin fuhr. Aufmerksam beobachtete ich meine Gefühle beim Besuch. Analysierte was ich empfand als mein Onkel den Raum betrat. Nach einer Weile verfiel ich wieder in das beklemmende Gefühl, nicht dorthin zugehören. Wann begann das Gefühl? Eigentlich als ich aus der Bahn stieg und auf dem Weg zum Haus war. Tapfer redete ich mir ein, dass ich einfach nur nervös sei. Doch das war ich nicht, ich war nur unsicher, wie früher. Genau so, genau das wollte ich nie wieder sein.

Anfangs dachte ich wirklich, dass es nur eine Barriere zwischen mir und meinem Onkel gab, aber nein, da war auch eine zu meiner Oma.

Warum bist du eigentlich hier?
Mein Onkel fragte mich nach dem Grund des Besuches und in mir schien die Hölle auszubrechen. Denn der Unterton gab mir zu verstehen, dass ich nicht wegen dem Geld oder der Marmeladen kommen solle. (Ob er es so erscheinen lassen wollte, keine Ahnung, ist Wahrnehmungssache)

Diese Sache bringt mich innerlich zum kochen, denn die anderen denken ich komme nur deswegen. Dabei weiß ich doch selbst nicht wieso ich da bin. Zumindest weiß ich es jetzt noch nicht. In den Augen von ihnen bin ich die Böse, die ihre Familie ohne einen triftigen Grund verlassen hat und jeglichen Kontakt abschnitt.

Es ist eine Weile vergangen und lange war nur der Anfang dieses Posts fertig. Es gab kein Ende, denn ich wusste immer noch nicht warum ich dort zurück musste. Ebenfalls war ich nicht nochmal da in der Zeit. Mir ist es immer noch ein Rätsel. Aber es gibt neue Infos für mich.

Angeblich gab es da eine Sache über die meine Oma Bescheid wusste. Und das ist der Missbrauch. Anfangs dachte ich, dass sie nichts weiß, da sie sich so verhielt und keinerlei Andeutungen machte. Natürlich, das musste sie nie und wollte sie auch nie. Das erfuhr ich in einem Gespräch mit meiner Mutter. Zur Info, ich bin wirklich ein ruhiger Mensch, das betone ich auch zu genüge. Doch da gibt es Dinge die mich innerlich zum kochen bringen, ja, richtig erkannt, das sind Lügen.

Um etwas klarzustellen, ich bin damals aus Selbstschutz gegangen. Es war reine Selbstliebe, da ich unmöglich so hätte glücklich werden können. Aus Sorge um meine Oma bin ich wiedergekommen. Der Grund warum ich jetzt immer wieder hinfahre ist der, dass ich geglaubt habe meiner Oma das Gefühl der Einsamkeit nehmen zu können. Denn auch ich war an manchen Tagen einsam, sehr sogar. An diesen Tagen wollte ich dann dort hin. Meine Erzählungen und Geschichten aus meinem Leben, ja sie bereiten ihr Freude und sie ist neugierig. Jedoch sehe ich im Nachhinein nur eins: eine Lüge.

Das zu verallgemeinern wär unfair, jedoch ist sowas für mich grade nicht zu verzeihen. Ein Verbrechen an Kindern zu vertuschen oder so zu tun, als gäbe es diesen Vorfall in der Familie nicht, ist schlichtweg unverzeihlich für mich. Wirklich, um es nett zu sagen, diese Menschen auch danach noch zu schützen, macht die Menschen schlimmer als den Täter.

Ja, wenn jemand stirb, dann ist man einsam. Doch was bemitleiden wir? Den anderen der nicht mehr auf der Welt ist um zu leben? Oder uns selbst, da wir derjenige sind der keine Zeit mehr mit dem anderen verbringen kann? Oder weil wir einfach schlichtweg nicht wissen wie man alleine glücklich ist?

Wirklich am Anfang als ich den Text nochmal las dachte ich, das alles sei in Ordnung. Doch das ist es nicht. Nein, das ist egoistisch! Sich jemanden zurück zu wünschen, der einem Leid antat und auch anderen, nur damit man nicht mehr alleine ist. Und wär das alles nicht genug, nein, man verlangt Schweigen.

Offen sage ich dir, dass ich damals keine Träne aus Leid oder Trauer vergoss. Meine Tränen flossen, weil ich mein Leben habe und es nicht mehr mit Trauer fülle. Dieser Mensch ist weg und es berührt mich kein Stück. Das ist und wird immer vollkommen richtig sein.

Was bedeutet für mich nun Einsamkeit?
Einsam kann ich auch mit einer Familie sein. Einsam kann ich alleine sein. Genauso kann ich einsam mit meinem Partner sein.
Doch ich bin einsam, wenn in meinem Herzen das Gefühl auftritt, fallen gelassen worden zu sein. Der Fall ins Nichts, wo niemand ist außer ich mit meinen Gefühlen und Gedanken.

Einsamkeit muss nicht immer schlecht sein, ab und zu ist sie da um dir zu zeigen, was falsch läuft. Genau das tat sie bei mir.

Nur weil du einsam bist, müssen es nicht die anderen auch sein. Das Gleiche gilt für dein Unglück. Solche Menschen sind es nicht wert, deine Einsamkeit mit dir zu teilen.

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