Ich, Ich und Ich

Eine emanzipierte Frau, die weiß wohin sie will. Ein Kind, das den Kopf bei seiner Mutter in den Schoß legt, weil es Rat braucht. Jemand der Ratschläge gibt, da ein Freund in der Patsche sitzt. Die Naive, die mit ihren Reizen spielt um den Mann um den Finger zu wickeln.

Jeder Mensch hat nicht nur ein Gesicht. In deinem Leben hast du so unglaublich viele Gesichter. Von der Prinzessin deines Vaters bis hin zur Femme Fatale. In meinen 21 Jahren Leben habe ich einiges an Rollen durch und viele für immer in eine Kiste gepackt. Andere hingegen werden für eine weitere Staffel rausgeholt, einfach weil das Publikum sie sehen will.

Ab und zu habe ich mich gefragt warum ich nie bei allen gleich sein kann. Wieso muss ich mich bei jedem anders verhalten, auch wenn es nur minimale Unterschiede sind?
Ganz einfach, ich möchte geliebt werden. Nicht immer auf die gleiche Weise aber es geht immer um die Liebe. Sei es freundschaftliche Liebe oder eine platonische Beziehung auf der Arbeit, damit das Klima stimmt. Menschen wollen Liebe.

Das heißt nicht, dass ich schizophren bin oder eine multiple Persönlichkeit habe. Genauso wenig heißt es, dass ich jemandem etwas vormache. Im Gegenteil, in vielen zwischenmenschlichen Verbindungen kann ich nur mit einer winzigen Anpassung mit treu bleiben. Ein bisschen mehr Emanze da und dann dort ein wenig kindliches Verhalten, kann mir oft den Arsch retten. Für dich mag das wirklich hart nach „ich-pass-mich-an“ klingen, aber für mich ist es mehr eine andere Realität.

Mit meiner Mutter kann ich einfach über Dinge reden, über die ich mit meinem Chef nicht reden will und genauso gibt es Themen die meine Mutter vielleicht ins Grab bringen würden. (Wobei sie das von der Swingerparty schon weiß, schlimmer kann es kaum werden)

Für dein Verständnis zähl ich mal ein paar Situationen auf, die wir alle trennen, du, ich und auch alle anderen Menschen. Dass nicht jeder gleich mit den Menschen in seinem Umfeld umgeht ist ja wohl klar.

Wo wir grad bei meiner Mutter waren, fangen wir auch gleich mit ihr an. Bei meiner Mutter bin ich ein unglaublich vorlautes Gör und dann im nächsten Moment jemand mit dem sie über vieles reden kann, in Hinsicht ihrer persönlichen Entwicklung. Lustigerweise bin ich auch ganz oft die Deutschlehrerin und Texteverfasserin, sowie der Layoutdesigner von Dokumenten. Doch die meiste Zeit bin ich das Kind das anruft, weil die Nabelschnur spannt und sie einfach nur am Telefon volllabern will. Ich bin das Kind mit den Kuscheltiere im Arm und der „dafür-werde-ich-nicht-bezahlt“-Einstellung.

Freunde sind da wieder eine andere Sorte von Beziehung. Mit meiner besten Freundin bin ich oft die Ratlose und etwas Zerstreute. Andere Freunde kennen mich als großspurige Berlinerin, die kein Blatt vor den Mund nimmt, egal in welchem Themenbereich. Gnadenlos verteile ich Ratschläge und schenke ohne weiteres mein Gehör bei Problemen. So und dann gibt es die Gloria die einfach jammert. Ja, du hast richtig gelesen, das kann ich super bei Freunden, besonders Nicole leidet dann unter meiner Schwarzmalerei. (Wohl angemerkt, diese Malerei ist unglaublich unnötig, zumindest in den meisten Fällen)

Eine Spezies die alle haben, oder irgendwann mal hatten, die Kollegen und der Chef. Meine Kollegen kennen mich als ziemlich aufgekratzt junge Frau. Klar, ich weiß wo ich hingehöre aber ich lass mich trotzdem nicht von irgendwelchen älteren Kollegen unterbuttern, das würd ich bei keinem zulassen. (Nein, auch beim Chef bin ich ziemlich laut und ab und zu vielleicht etwas zu vorlaut für den ein oder anderen)
Auch wenn ich viel auf meiner Arbeit von mir teile, seien es Freuden oder Probleme, ich trage selten meine Launen auf Arbeit aus. Das mag ich nicht besonders, natürlich merken das ein paar die mich etwas besser kenn. Und wenn die nachfragen gebe ich wahrheitsgemäß ne Antwort, was für sehr viele Menschen sehr komisch sein mag. Immerhin sind das „nur“ Kollegen.

Doch da gibt es eine Gloria die nur die Männer kennenlernen werden. Ich spreche hier von Dates, Kollegen oder Kumpels. Die naive und etwas überzogene Gloria. In den letzten Jahren habe ich gelernt mit meiner Weiblichkeit zu spielen. Mal ein gekonnt gesetzter Satz und eine Zweideutigkeit schlägt ein wie eine Granate. Manch einem bleibt da die Spucke weg und andere lachen darüber. Meinem Körper bin ich mir sehr wohl bewusst und werfe den auch einigermaßen gut in Schale. Das freundschaftliche und etwas burschikose Verhalten gibt den meisten Männern anscheinend irgendwas, frag mich nicht was, ich hab null Plan. Keine Missverständnisse hier: Ich möchte nicht alle Männer ärgern oder so, ich fühl mich damit nur wohler. Männer die ich date sehen meist auch eine schüchterne Gloria, da ich bei Unsicherheit zwar viel rede aber sehr einfach nachgebe. Fühl ich mich jedoch irgendwann sicher, dann fällt die kleinkindähnliche Gloria von mir ab und ich lass mir nicht mehr so einfach was aufschwatzen.

Auf der anderen Seite ist mein Verhalten Frauen gegenüber gefühlt noch burschikoser und lustiger. Ich gebe mich oft schlauer als ich wahrscheinlich bin und lass öfter mal den Klugscheißer raushängen. Einige Frauen finden mich zu laut und unweiblich, doch dann gibt es welche die mir offen sagen, ich sei eine wunderbare Frau. Da hab ich noch meine Probleme, das einzuschätzen.

In vielen Rollen gibt es Überschneidungen und Ähnlichkeiten, keine ist einzigartig. Nein, eher sind sie auf das Publikum angepasst. Jede Serie hat eine eigene Hauptrolle, doch die Geschichte und der Charakter der Person sind weitgehend die Gleiche. Wie ich Anfang schon sagt, es geht nicht darum jemandem etwas vorzugaukeln, sondern mehr darum sich den Umständen entsprechend zu geben. Nicht weil andere es so wollen sondern du dich damit wohler fühlst. Du musst auf einer Beerdigung nich trauern und in Schwarz kommen, wenn es dir lieber ist laut zu lachen und in quietschigem Pink zu kommen, dann tu das und steh dazu.

Meine Rollen bedeuten für mich mehr als nur Anpassung an meine Bedürfnisse. Sie bedeuten Freiheit, denn nur wenn ich mich aus freien Stücken verhalten kann wie ich es gerne hätte, bin ich frei. Frei von allem!

Schäm dich nicht für eins deiner Gesichter und mach dir keine Gedanken darüber, wie du dich verhältst wenn zwei der Gesichter benötigt werden. Da kommt nämlich einfach ein neues hinzu, welches ebenfalls du bist.

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