Nur deswegen

Dafür brauche ich 550 Euro, dort kostet mich meine Miete so und so viel Geld. Und vielleicht sollte ich mir mit den paar Zerquetschten noch was zu Essen kaufen. Wie mach ich das am besten ohne zu verhungern?

Für mich war Geld nie etwas besonderes, etwas das in meiner Kindheit knapp war und ich es bis heute horte. Geld ist ein Tauschmittel für mich und ich werde das glaube ich nie anders sehen. Was sich jedoch ändern kann ist meine Einstellung und mein Glaube wie es für mich arbeiten kann. Lange war meine Einstellung dazu sehr negativ behaftet und ich sah es als etwas, das mir nichts gutes will.

In meiner Kindheit gab es einige Schlüsselmomente in Bezug auf das liebe Geld. Einer der wichtigsten für mich war das unfaire Verhalten meiner Großeltern, das ich nie für richtig erachtet habe. Meine Cousine und zwei Cousins haben an Feiertagen von den beiden immer mehr Geld bekommen. Frag nicht wie viel, das weiß ich nicht mehr, aber als ich das spitzbekam wurde ich ziemlich sauer. Damals war ich ungefähr 11 Jahre alt. Störend war die Ungerechtigkeit, war mir ein Rätsel. Was taten die drei, dass sie dazu „berechtige“ mehr zu bekommen? In meinem Kinderhirn war nicht ein einziges Mal der Gedanke, dass ich ausgeglichen werden möchte oder die etwas abgeben müssen. Nein, ich wollte, dass alle gleichviel bekommen und kein Unterschied gemacht wird. Dass man am Geburtstag als einziger was bekommt ist völlig okay, aber an Weihnachten war wurde auf einmal unterschieden. Warum??

So was tat also Kleingloria? Ich nahm meinen Großeltern den Wind aus den Flügeln. Als es zum Zeugnis wieder Geld gab, bat meinn Opa mich doch bitte mein Zeugnis zu holen. Prompt weigerte ich mich. Eine Weile ging das Streiten hin und her bis ich meinem Opa ins Gesicht sagte: „Steck dir dein Geld in Arsch ich brauch es nicht!“. Naja, das Resultat waren zwei ältere Herrschaften die drei Monate nicht mit mir sprachen. Bis zu dem Punkt, als sich meine Einstellung zu Geld änderte freute ich mich nicht mehr über geschenktes Geld. Das trug ich auch in meinem Gesicht, zu Weihnachten gab es keine freudestrahlende Gloria, die sich über 100 Euro freute.

Sollte ich mal Geld bekommen haben, hortete ich es. Ja, ich saß quasi drauf und hoffte dass es irgendwann schlüpfte. Das Wissen, dass wir nie viel Geld hatten ließ mich unterbewusst einen krassen Glaubenssatz aufbauen. Zur Info, ja es war knapp, aber nie so dass wir jeden Penny umdrehen mussten. Wir hatten eben unseren letzten Urlaub 2005 oder so, ist doch nicht schlimm. Zurück zum Thema, ich hortete, war geizig und schnorrte. Oh ja, ich bin ein Schnorrer gewesen, voll der Widerspruch aber ich achtete auf MEIN Geld. Somit lehnte ich das Geld für die Sprachreise ab, kaufte mir meinen Laptop selbst, sowie meine Handys und alles andere was ich haben wollte. (Abgesehen von so manchem Manga, da war ich auch ein großer Schnorrer)

Heute sieht das ganze etwas anders aus. Mein Mindset hat sich verändert, denn ich lebe jetzt drei Jahre alleine und da bekommt man eine andere Sicht. Endlich sieht man wofür man Geld wirklich benötigt und wofür auf keinen Fall. Das Sparen verschiebt sich und man ist oft gezwungen Geld zu bezahlen. Somit lernte ich von 450 Euro eine Wohnung zu bezahlen, Essen zu kaufen, ein Ticket für die Bahn zu haben und doch noch zu leben. Ein Jahr lang lebte ich so, in einer Großstadt die nicht grade billig ist. Am Anfang meines Jobs im Büro lernte ich wie viel meine Arbeit wirklich wert ist und für wie viel ich auf keinen Fall mehr arbeiten würde.

Doch jetzt kommt eine neue Situation dazu. Mein Blog und der kommende Podcast. Immer öfter fragen mich Menschen ob ich damit Geld verdiene, ob ich davon irgendwann leben will. Um ehrlich zu sein, ich kann diese Frage nicht mehr hören. Sie fuckt mich unglaublich ab. Zum letzten Mal sage ich es nun auch hier: Ich mache das alles nicht wegen des Geldes, nicht heute und auch nicht nächste Woche.

Natürlich gibt es irgendwann einen Punkt wo das eine wichtige Rolle spielen wird aber nicht jetzt und wir sind ja schließlich im hier und jetzt.

Jede Einstellung zu etwas kann sich ändern, das ist normal und wird auch so bleiben. So wird sich auch über die Jahre meine Einstellung zur Monetarisierung meines Blogs ändern. Doch jetzt werde ich mein Leben leben ohne den Fokus auf’s Geld. Für mich ist das Erleben wichtiger und das geht nicht wenn man dem Geld hinterherrennt. 

Geld hat eine wichtige Rolle in unserer Gesellschaft und es ist für jeden von uns eine Herausforderung die Waage zu finden zwischen „Geld ist alles“ und „Ich weiß, was ich wert bin“. Ich selbst habe sie immer noch nicht richtig gefunden und werde auch noch eine Weile brauchen, denke ich.

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