Hapige Angelegenheit

Ich weiß nicht warum aber ich möchte darüber schreiben. Es geht um ein Gefühl, welches ich partout nicht beschreiben kann. Es fühlt sich so komisch beklemmend an, aber dann doch wieder so als wär ich verstanden.

Wann trat das Gefühl auf? Als ich begann die Memoiren von Hape Kerkelig zu lesen. In nur den ersten dreißig Seiten hatte ich das Gefühl das Buch eines vollkommen anderen Menschen zu lesen, als wäre das ein komplett anderer Mensch im Fernsehen, den Filmen und Clips. Schlagartig wird mir klar, das war er auch. Mich beschlich das Gefühl, dass dieser Mensch nicht glücklich war. Irgendwie unverstanden. Somit fragte ich mich: Gibt es überhaupt jemanden, der einen versteht?

Irgendwo hing ein bisschen Mitleid rum und ich brachte es mit zum lesen von dem Buch. Komisch, normalerweise bin ich nicht so sensibel wenn es um Bücher geht.
Hin und wieder habe ich bei einem Buch geweint, das letzte Mal bei „Big Five for Live“. Das tat ich aber, weil mich die Geschichte so unglaublich berührte. Nicht ein Hauch von Trauer danach oder Mitleid. Dabei ist das Buch wirklich wunderbar geschrieben. Also warum zum Teufel, beklemmt mich das Buch von Hape so? Gute Frage, nächste Frage!

Ich frage mich wie es weitergeht, was noch in dem Buch steht, habe jedoch irgendwo Angst weiterzulesen. Noch nie hat mir ein Buch Angst gemacht. Das ist jetzt nicht schlechtes aber ich glaube da ist mehr. Irgendetwas in mir schreit unglaublich laut, dass ich dieses Buch fertig lesen muss und aber auch darüber schreiben sollte, was es mit mir macht. Ohne Witz, ich frage mich warum.

Eigentlich hatte ich nie viel mit Hape zu tun, also im Sinne von er war mir irgendwie bekannt aber wie jeder anderer Komiker oder Moderator fiel er irgendwann in meinem Gedächtnis, in die Schublade „Okay, gibt es!“. Meine Mutter ist unglaublich begeistert von ihm, schwärmt bei jeder Chance von ihm und schickt mir Clips per WhatsApp. Ab und zu nervig und ab und zu ziemlich lustig. Denn eins muss man ihm lassen, er ist schon lustig. Deswegen habe ich seine zwei Bücher, die mir bekannt sind, in meinem Bücherregal stehen, mehr als Vorwand, sie irgendwann zu lesen. (Gibt ja weitaus mehr, wie ich rausgefunden habe)
Wirklich lesen stand weniger auf dem Plan, frag mich nicht warum. Aber an einem sonnigen Sonntag im Mai, anstatt an die frische Luft zu gehen, nehme ich das Buch in die Hand. Und fange an nach dreißig Seiten diesen Post zu verfassen. Merkwürdig.

Egal wie es weitergehen mag, ich werde hier mal weiter drüber berichten. Also machen wir einen Zeitsprung, bis ich weitergelesen habe und rausgefunden habe warum ich dieses Gefühl habe.

(Hier coolen Soundeffekte einfügen, der symbolisch für einen Zeitsprung steht)

Ja, wie ging es denn nun weiter mit meinem Gefühl?
Nach einem sehr langen und entspannten Nachmittag im Restaurant war ich über die 100 Seiten hinaus. Um so weiter ich kam um so mehr wurde es ruhig in mir. Ich las kein Buch mehr, das mir Angst machte sondern eins, dass mich tief im Herzen berührte.
Immer mehr kam in mir das Gefühl hoch, dass ich es für eine gute Kindheit halte, auch wenn es für einen selbst schrecklich in dem Moment ist und das Buch quasi das Abschlusswort zu seiner verkorksten und etwas schilfgelaufenen Kindheit ist.
In vielen Szenen erinnere ich mich daran, dass es bei mir ähnlich war. Oft habe ich versucht andere mit meiner Komik aus den Reserven zu locken und ihnen ein Lachen auf den Lippen haben. Meist schwerer als gedacht und ab und zu ungewollt einfach.

Nach einigen Tagen war ich wieder langsamer geworden mit dem lesen. Denn in dem Buch drehte sich auf einmal alles um die kranke Mutter. Wie ging der Junge damit um? Was ging in ihm vor?

Er stellte fest, dass nur er selbst für sich lebt. Keiner habe das Recht über sein Leben zu bestimmen, nicht mal seine Mutter. Oder besser gesagt, erst recht nicht die.

In diesen Tagen musste ich mich schweren Herzens von meinem langjährigen Kinderfreund trennen. Irgendwo in mir schrie jahrelang die Stimme, dass diese Freundschaft nicht mehr zu retten ist. Und mit diesen Worten aus dem Buch fühlte ich mich verstanden. Der Gang auf dieses unangenehme Ziel fiel einfacher und auch das loslassen der Tränen ging wie von alleine. Letztes Jahr wär ich nicht in der Lage gewesen diese Gefühle zu zeigen, offen mit meinen Gefühlen umzugehen. Diese Befreiung nachdem die Tränen nur so kullerten war schmerzhaft aber bitter nötig.

Einige der Familienmitglieder sind beeindruckend und ich finde, dass es wirklich deren Verdienst ist, dass dieser Mann soweit kam. Denn was wäre passiert, wenn diese starken Frauen, den kleinen Jungen einfach hätten in der Gesellschaft der damaligen Zeit untergehen lassen? Er wäre wahrscheinlich nicht ansatzweise dahin gekommen wo er heute ist. Bei sich selbst!
Wir alle hätten gern solche Menschen in unserem Leben. Soll ich dir was sagen? Wir haben sie nur manch einer hat sie noch nicht gefunden, also gib nicht auf.

Der Fakt, dass Hape schwul ist war für mich nicht klar. Bis hin zu dem Punkt, als er es klar benannt hatte war es mir nicht bewusst. Doch ich fragte mich bis dahin, ob der denn je ne Frau hatte. Ja, natürlich nicht, dumme Frage Gloria, also wirklich. Aber eins ist klar, ich finde, dass wir in unserer Gesellschaft zu sehr darauf achten welche Menschen wir begehren sollen. Dabei darf jeder seine Liebe dem schenken dem er es geben will. Lasst bitte die Liebe in Ruhe! Irgendwie war mir früher nie so bewusst, dass wir noch immer in einer Gesellschaft leben die sehr intolerant ist, auch wenn es schon besser geworden ist.

Nun bin ich nach fast einem Monat damit fertig geworden und ich wusste, dass ich irgendwann auch an einem Punkt sein werde, an dem ich an vielem unausweichlichem nicht vorbeikomme. Dinge passieren in deinem Leben und wir sind alle Opfer davon, solange bis wir uns aus dieser Rolle befreien. Hape hat das in diesem Buch wunderbar beschrieben, dass es nur der eigene Wille ist der einem das Glück beschert. Wenn deine Karriere für dich an einem gewissen Punkt einfach nur mehr belastend ist, dann lass sie los und gehe weiter. Stell den Stuhl aus der Küche endlich auf den Sperrmüll und lache wieder.

Nur weil ein Teil deines Lebens dir nicht gut gesinnt war, heißt das nicht, dass du das akzeptieren musst. Nein, das ist ein Zeichen, dass du loslegen kannst. Deswegen entlasse ich dich nun in den Tag mit den Worten:

Sollte dir jemals das Lachen verlassen, sei darauf gefasst, dort draußen gibt es Menschen die dich unweigerlich wieder zum Lachen bringen.

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