Ein Name ist Nichts

Was ist Familie?
Die Leute die das gleiche Blut haben? Die die den gleichen Namen tragen? Oder auch die die nicht das gleiche Blut haben und auch nicht den gleichen Namen?

Ich bin ein Familienmensch und auch wenn ich ein ziemlich komischer Mensch sein mag, im guten Sinne natürlich, bin ich mir nicht sicher was meine Familie ist. Sicher kann ich sagen, dass meine Eltern und meine Schwester dazugehören. Meine jeweiligen Großeltern dazu sind schon wieder ein Kapitel für sich. Die Seite meiner Mutter ist für mich schwierig handzuhaben und die andere Seite ist für mich keine Familie mehr, deswegen werde ich sie hier auch nicht Oma nennen. Soviel kann ich sagen, wenn ich sagen müsste, ob ich noch ne Oma und nen Opa habe würde ich prompt aus Gewohnheit ja sagen. Sehr lange hatte ich von beidem zwei, jetzt habe ich nur mehr eins jeweils. Also nennen wir die beiden auch Familie, auf Basis von Blut und Gewohnheit.

Onkel und Tante, gute Frage, wer gehört dazu und wer nicht. Wiederum ist die Seite meines Vaters kein Teil mehr meiner Familie, das steht fest. Das sind Menschen die mir nicht gut tun und das wird sich auch erstmal nicht ändern. Denn ich habe einfach 21 Jahre gebraucht um zu verstehen, dass diese Menschen mir nicht gut tun. Deswegen fällte ich vor kurzem diesen Entscheidung, so hart sie sein mag, sie mussten weg.

Meine Mutter hat nur eine Schwester, sie und alle die dazugehören sind definitiv Familie. Auch wenn es eine Phase gab in der ich alle dort nicht verstand wurde das mit der Distanz besser. Plötzlich merkte ich, dass mein jüngster Cousin überhaupt nicht eingebildet ist und wir sehr viel Gesprächsstoff haben. Genauso wurde mir nach ein paar gemeinsamen Tagen meine Cousine leichter greifbar, da sie für mich sehr lange eine sehr unverständliche Art hatte. Das Blatt lässt sich immer wenden, die Frage ist welche Seite oben liegt. So drehte sich so manche Ansicht zu meinem Onkel und eben die meines Cousins. Ich muss nicht immer verstehen was meine Verwandten da tun oder warum, aber ich akzeptiere jede der Ansichten und es fällt mir so leichter sie als meine Familie zu sehen.

Ich habe schonmal einen Cut zu den Menschen hier in Berlin gemacht, wie du wahrscheinlich weißt. Aber ich bin nach dem Tod des Vaters meines Papas hingefahren, mehrmals. Es kam ans Licht, dass seine Mutter meinen Papa bat zu schweigen in der Sache von meinem Missbrauch. Das war im JANUAR!!! Bis jetzt wusste ich nichts davon und bin wirklich mit guten Gewissens da hingefahren. Als ich die Worte hörte brach in mir eine Hölle aus, es fühlte sich an als würde jemand meine Existenz leugnen, jemand der nicht im geringsten das Recht dazu hatte. Dieses Höllenfeuer erlosch nicht, lange kochte alles hoch bis ich verstand, dass ich unglaublich sauer war.

Ich war nicht sauer, dass ich es nicht wusste. Nein, ich war sauer, weil von mir verlangt wurde wie alle andern dort, resigniert darauf zu warten, dass ich unglücklich sterbe. Und diesen Fakt wollte ich nicht akzeptieren. Auf gar keinen Fall!
Somit überlegte ich was ich tun kann um nicht in diesem Szenario zu versauern. Einzige Lösung für mich, war das Gespräch suchen und den Vertrag der Familie zu kündigen. Denn eins werde ich mein Leben lang nicht mehr tun: Schweigen!

Sollen die mit ihrer Strafe leben und unglücklich sterben aber ich sehe nicht ein, dass ich so enden soll. Nicht umsonst habe ich angefangen darüber zu reden. Also was soll der Quatsch! Niemand, aber auch wirklich niemand wird mich daran hindern MEIN Leben zu leben. Wem das nicht passt und der von mir verlang so zu sein wie er selbst muss gehen. Da muss ich gnadenlos sein.

All das hört sich unglaublich gefühlskalt an, aber du musst wissen, das ist nicht so, dass ich diese Menschen nicht lieb habe/hatte oder es mir einfach fällt. Im Gegenteil, es tut unglaublich weh und ich schreibe diese Zeilen mit Tränen in den Augen. Denn jedes Mal wenn ich das Wort Familie oder Oma bzw. Onkel geschrieben habe bin ich zurückgegangen und habe es ausgebessert. Es fühlt sich nicht gut an, es belastet mich diese Menschen so zu bezeichnen. Aber es ist für mein Leben wichtig diesen Schritt zu gehen.

Als ich meinem Vater von meinem Vorhaben erzählte war das schwer für ihn. Für ihn war es schon vor drei Jahren schwer. Er sah sein Kind leiden, seelisch am Boden und körperliche Auswirkungen auf das Ganze. Und jetzt auf ein neues, das tut mir für ihn alles ziemlich leid. Aber ich werde sonst niemals glücklich und das will auch er nicht. Deswegen bin ich unglaublich dankbar, dass er mir da den Rücken stärkt. Mein Vater ist vielleicht noch stärker als ich es bin. Oder sagen wir so, ich wachse langsam an seine Stärke heran.

Dieser Text ist quasi schonmal der Abschied an Menschen die fast ein Vierteljahrhundert mit mir als „Familie“ gelebt habe. Das Gespräch folgt noch und ich bin auf den Ausgang gespannt, wer weiß was passiert? Niemand! Falls es nochmal etwas darüber zu berichten gibt, bist du der Erste, dem ich das erzähle. Also vielleicht bis ein anderes Mal.

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