Für die Rente

Vor einer Weile stellte sich mir eine Frage.
Was will ich eigentlich bis zu meiner Rente machen?
Nicht das übliche Löffellistethema sondern das „was-ist-meine-Berufung“-Thema. Schwierig, denn ich schon einiges ausprobiert.

Abgesehen davon, dass ich jetzt schon 22 Jahre alt bin und ich in den verschiedensten Bereichen gearbeitet habe und nun studiere. Meine Ausbildung, als Koch/Kellner sowie Bürokauffrau habe ich ja neben meinem Abi gemacht und hab damals schon beschlossen, niemals in diesem Bereich zu arbeiten. Als Aushilfe schenk ich gern mal auf nem kleinen Dorffest Bier aus, aber richtig als Kellnerin, geschweige denn als Köchin, NOPE, nicht in diesem Leben. Ich koche ja schon ungern für mich alleine. Für Bürojobs, ja das krieg ich hin und mach ich auch bis zu einem gewissen Grad gerne, besonders wenn ich die Verantwortung über meine Arbeit habe. Stumpfes Buchhaltungswissen, dass ich nur eintragen muss, war mir in der Schule schon eine sehr nervige Aufgabe, denn es ist leider immer das Gleiche im Rechnungswesen.

So, da ich aber nun nicht in meinen Ausbildungsjobs arbeiten will, was hab ich nun getan? Naja, ich kam nach Berlin und hab mir mal einige Jobs angeguckt. Ausprobiert, was mir eben Spaß machen könnte. So landete ich beim Radio als Praktikantin in der Redaktion. Von Umfragen bis hin zum Schneiden von O-Tönen durfte ich sehr viel machen, mich testen und sehr viel neues Lernen. Das beste daran war jedoch den Verkehr vorzubereiten, so lernte ich nicht nur wo ich was finde in Berlin sondern auch wie wichtig es ist schnell zu sein und dabei nicht die Genauigkeit zu verlieren. (Puh, das war Anfangs ein echtes Abstrampeln von fünf Knöpfen, am besten, gleichzeitig drücken und dann noch reden sowie schreiben.) Am Ende meines Praktikums war das noch die einfachste Aufgabe, aber auch an den anderen bin ich gewachsen.

So dachte ich mir, das macht Spaß, da will ich bleiben und wollte noch mehr im Radio lernen. Deswegen suchte ich weiter, arbeitete nur 2 Monate später in einem anderen Sender als Praktikantin und hab nebenbei noch andere Jobs angefangen. Einerseits als Spielleiterin in einem Exitroom und Einlasskraft in einer Freizeiteinrichtung. Hat alles mega Spaß gemacht, am Anfang. Jedoch wurde es bei diesen Jobs nach der Zeit immer etwas fade und eintönig. Deswegen beendete ich die kurzum. Genauso habe ich eine sehr lange Zeit am Counter einer Bowlinghalle gearbeitet. Von den Arbeitsbedingungen abgesehen ein ganz passabler Job, aber irgendwann leider auch langweilig.

Der einzige Job, den ich seit drei Jahren nun wirklich Durchgang mache: Babysitten.
Meine kleine Maus habe ich nun wirklich sehr lange und es wird nicht langweilig. Klar, da habe ich meine Auf und Abs gehabt, aber wer hat keine schlechten Tage? Ernsthaft, da sie wächst und immer größer wird macht mir das immer noch Spaß. Jedes Mal gibt es was neues und ich freu mich einfach wenn sie dann ganz stolz da steht und es mir zeigt. Hier hab ich irgendwie Angst, irgendwann kein Teil mehr davon sein zu dürfen, weil sie „zu groß“ geworden ist. Aber darüber mach ich mir erstmal keinen Kopf.

Denn das eigentliche was mir ein bisschen Kopfzerbrechen macht ist, dass ich fast am Ende meiner Arbeitszeit im Büro bin. Die Frage was danach passiert lässt mich in letzter Zeit nicht mehr los. Da mein Vertrag befristet ist bis Januar ist es abzusehen, dass ich nicht bleiben werde. Somit muss ich mir Gedanken machen: Was will ich denn nun? Weiterhin ein solcher Job, als Office Managerin? Will ich was anderes machen?

Leider bin ich überhaupt kein Fan vom Suchen eines Jobs. Natürlich weiß, dass man den Job quasi nicht vor die Füße geworfen bekommt. Auch wenn diese Stelle ein sehr schöner Zufall war und ich wirklich viel neues gelernt habe. Irgendwie muss ich mir da mal echt ne Platte machen.

Auf der einen Seite ist es gut etwas „vernünftiges“ zu machen, aber das wird mir irgendwann zu grau. Auf der anderen Seite jedoch gibt es die Influencer und Konsorten die unsere Handygeneration wirklich gut unterhalten. Aber will ich nur unterhalten? In gewisser Weise habe ich mich beim Radio am wohlsten gefühlt, könnte mir trotzdem nicht vorstellen dort zu arbeiten. Das ganze drumherum macht mir dann doch etwas zu wenig Freude und ich kann mich zu wenig ausbreiten mit meinen Gedanken. Also muss ich mir nun wirklich wahrhaftig die Frage stellen: WAS will ich?

Viele sprechen von Jobs und Arbeit. Keines von beiden will ich.

Jaaa, ich weiß, der alt eingesessene Bürger schreit jetzt: ABER du MUSST doch was machen, denn sonst sitzt du auf der Straße und bist ein Schmarotzer!
(Ach, halt doch den Mund! Müssen tu’ ich gar nichts außer sterben)

Mein Studium (Journalismus, falls es noch jemand nicht mitbekommen haben sollte), mache ich mehr als Lernfaktor/Weiterbildung. Journalisten machen einen tollen Job, aber dafür bin ich zu desinteressiert an der Welt für den normalsterblichen Menschen. Für mich zählt das wie machen die das und wie kann ich besser werden. Deswegen will ich das auch unbedingt fertig machen, wird zwar schwierig mit dem fehlenden Interesse an der üblichen Welt, aber das wird wohl das kleinste Hindernis.

Was macht mir nun Spaß? Nachdem ich mehrere Male überlegt habe, kam dabei wirklich raus, dass ich unglaublich gern Schreibe und Rede. Deswegen wird der Blog und der Podcast ein Teil meines Lebens bleiben. Dafür werde ich mir immer die Zeit nehmen und es was machen. Allein der Gedanke mich hinzusetzen und in die Tasten zu hauen, mein Micro aufzustellen und loszulabern, lässt ich schon grinsen. Dafür stehe ich auf, mit einem Sprung und dem Vorsatz Yoga/Sport zu machen und dann loszulegen. Die Frage worüber ich schreiben/reden soll, wenn ich keinen Job habe, kam mir auch in den Sinn. Jedoch wenn ich ehrlich bin, nur weil ich keinen Job habe heißt das doch nicht, dass mein Leben auf einmal aufhört?!

Oft sehe ich die Menschen an ihrem Handy hängen und wild darauf rumtippen, irgendwelche Spiele spielen oder sogar eine Netflixserien angucken. Wohlgemerkt in der Bahn auf dem Weg zur Arbeit oder nach Hause. Wenn ich diese Menschen so sehe stellt sich mir die Frage, ob sie sich damit von ihrem Job ablenken oder ihrem Leben. Sind sie so unzufrieden mit dem was auf sie am Ende der Fahrt wartet damit sie sich nochmal schnell was „positives“ reinziehen müssen? Klar, nicht jeder tut das, aber mein Bauch sagt mir, das der größte Teil dieser Menschen wirklich nicht happy ist mit ihrer Arbeit. Genau so möchte ich nicht werden. Wenn ich zu meinem Beruf fahre, dann will ich schon vor Freude in die S-Bahn tanzen, auch wenn ich weiß, dass diese brechend voll mit schwitzenden Menschen ist. 

Also Gloria, was willst du nun? Einen Job? Eine Arbeit? Oder einen Beruf?

Wenn ich ehrlich bin, will ich einen Beruf. Denn wenn ich das tue wofür ich berufen bin, dann bin ich glücklich. Meine Berufung zu finden, das ist wiederum eine andere Sache. Es mag nicht all zu schwer sein etwas zu finden was man gerne macht. Dafür aber schwieriger jemanden der einen dafür bezahlt, sei es ein Chef oder ein Kunde. Das ist eine Herausforderung mit der man sich ziemlich gut auseinandersetzen muss, aber ich bin ist davon überzeugt, dass das jeder hinbekommen würde, wäre ihm sein Glück auch nur ein bisschen so wichtig wie sein Leid.

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