Flieg‘ mein Kind

Ich sitze am Flughafen und sehe Menschen. Unglaublich viele Menschen. Alle sind auf dem Weg in den Urlaub, zum nächsten Meeting oder nach Hause. Wohin ich fliege? Früher hätte ich gesagt nach Hause. Heute weiß ich das nicht mehr genau.

Der Grund meines Flugs? Der Geburtstag meiner Mutter, sie wird 50 und ich habe mir gedacht, überrascht du sie mal. Und das tu ich auch. Also sitze ich nun hier.

In den letzten Tagen habe ich eine schlechte Nachrichten bekommen. Das Büro in dem ich momentan arbeite, will mich nicht übernehmen. Das war nach meinem Gefühl nicht wirklich die feine englische Art aber was soll ich dem Unternehmen vorwerfen? Schlechtes Kommunizieren? Schlechtes Benehmen? Das wär doch kindisch. Trotzdem war ich sehr vor den Kopf gestoßen, okay, vielleicht mehr als das, ich war sehr irritiert und versuchte mich nicht irgendwie komplett hängen zu lassen.

Komm schon, ich bin 22 und hab quasi Job Numero 14 hinter mir und ich werde wieder was finden, wenn ich das will. Doch grad, in diesem Moment, in dem ich am Gate am Flughafen sitze wird mir bewusst, dass ich mich in dieser Stadt auch nicht mehr richtig wohl fühle. Das Gefühl hier falsch zu sein beschleicht mich leider seit mehreren Tagen. Und nun wo ich hier bin, umso mehr. Deswegen bin ich dankbar für einen Tage im Haus meiner Eltern. Einfach nur da zu sein und den Geburtstag meiner Mutter feiern.

Fraglich was mir das bringen soll aber ich glaube es tut mir grad ganz gut nicht in einer Firma zu sitzen, in der ich nicht weiterarbeite und schon gar nicht in einer Stadt in der ich mich fehl am Platz fühle.

Es gibt einiges worüber ich mir klar werden muss. Sehr vieles. Besonders wo ich hin will. Nicht nur beruflich sondern auch örtlich. Der Ort scheint für mich grade genauso wichtig zu sein wie das was ich tue. Denn ich habe etwas gefunden was ich unglaublich gerne mache und ich schieb immer wieder etwas „Vernünftiges“ davor. (Ich hasse manchmal unsere Gesellschaft dafür, dass sie uns sowas beibringt)

Genervt und unglaublich müde von der Nacht, weil ich nicht geschlafen habe saß ich endlich im Flieger. Jedoch schon über eine Stunde und der Flug sollte eine Stunde und zehn Minuten dauern. Trotzdem stand ich immer noch in Berlin auf dem Flughafen. Langsam habe ich das Gefühl, das Murphy’s Law grad einen Riesenschlag macht. Und darauf hab ich grad überhaupt kein Bock. Deswegen steuern wir mal kurz dagegen.

Meine erste Erfahrung der Persönlichkeitsentwicklung war ja Winterheller, den hab ich mal wieder rausgeholt. Deswegen saß ich mit dem Ösi im Ohr im Flieger und schrieb an diesem Text. Und Tadaaaa: Mir ging es besser.

Wieso? Weil ich gerne schreibe und mir das was mich grade beschäftigt von der Seele zu schreiben. Das sollten wir alle, denn wir müssen mehr reden und das tun was wir in dem Moment gern tun würden.

Was mir grade noch einfällt, auch etwas von Winterheller: Wir alle haben ein Thermostat in uns.

Meins ist in letzter Zeit ziemlich gesunken, besonders nachdem es gestiegen ist als ich das tat was ich gern tat. Den Podcast gelauncht und weiter an meinen Zielen gearbeitet war ich energiegeladen und Zack: auf einmal habe ich einen Drop erlebt.

Jegliche Energie war futsch und ich wurde müde. Denn ich glaube das Leben wollte mir was zeigen. Zeigen, dass ich dabei bleiben soll und nicht runterschalten und darauf verlassen, dass ich einen sicheren Job habe. Es ist auch in der Natur normal, dass die Temperatur abfällt, aber wir vergessen das viel zu oft. Dann wundern wir uns, ja so wie ich grade, warum das Leben grade so „scheiße“ zu uns ist.

Ich sag dir was: Das Leben ist SCHÖN!

Jahahahaha, du hast richtig gehört. Scheiße machst es du. Nur du! Der Typ da oben oder wer auch immer das Leben so in die Welt gesetzt hat, der wird sich nicht gedacht haben, dass er hier unten ne Sadoshow macht. Es ist zweifelhaft ob der/die/das da oben Bock hat auf für immer Sado-Maso-Show. Ich glaube eher wir haben uns an die Rolle des Maso gewöhnt und das ist irgendwo ja bisschen dämlich. Sado-Maso sollte im Schlafzimmer bleiben und nicht in irgendwelche Büros, Wohnzimmer oder Einkaufszentren mitgenommen werden.

Nach über einer Stunde die wir nun im Flieger auf dem Boden saßen ging es endlich in die Luft und ich konnte meine Augen kaum aufhalten. Es kostete mich unglaublich viel Mühen nicht wegzuschlafen, denn ich wollte schreiben. Da hat mein Körper zwar andere Signale geschickt aber ich möchte jetzt einfach nicht. (Frag mich grade ob das so gut ist meinem Körper so Gegenzuspielen, wahrscheinlich nicht)

Die Sonne schien einen schmalen Streifen auf meine Tastatur und ich fand das wunderschön. Es war eine einfache Sache die mir mehr als nur Befriedigung schenkte. Ich war einfach hier und jetzt und ich fliege. Darf ich bitte hier oben bleiben? Das ist schön so. Wenn ich ehrlich bin fliege ich sehr gerne. (Auch wenn das umwelttechnisch nicht die beste Art ist aber ich mag dieses Gefühl von Freiheit)

Jedoch was ist eigentlich grade mein Ziel? Meine Heimat? Min Zuhause? Mein Elternhaus?

Um mal wieder zum Anfang zurückzukommen und den Kreis zu schließen. Ich fliege in die Freiheit. Grade gibt es nichts was ich als mein Zuhause sehe. Nein, auch nicht meine Wohnung in Berlin, genauso wenig das Elternhaus in Österreich. All diese Plätze wo ich wohnte und gewohnt habe fühlen sich nicht mehr nach meinem Wohlfühlplatz an. Bei meinen Eltern ist es mehr ein Rückzugsort, um wieder klarzukommen. Meine Wohnung ist einfach nur mehr ein Ort an den ich zurückkehre, nachdem ich auf Arbeit war. Natürlich mag ich meine Wohnung aber sie fühlt sich nicht mehr so gut an wie vor einigen Wochen.

Mein Herz braucht eine Pause von dem ganzen Hin und Her in den letzten Wochen und Tagen. Meine Emotionen spielen russiches Roulett und ich weiß nicht was als nächstes hochkommt. Tränen, ein herzliches Lachen oder einfach resigniertes Gähnen. Vor einer Weile merkte ich, dass wir Frauen zyklisch leben. Eins kann ich sagen, auch wenn ich jammern müsste dafür, aber das kann manchmal echt anstrengend und verwirrend sein, da komm ich dann auf mich selbst nicht klar.

Grundsätzlich bleibt nur eins zu sagen:
Wie auch dein leben grade aussehen mag, sei es schön und bunt oder grade etwas mau mit tristem Himmel. Wir alle müssen den Platz der zu uns gehört erstmal finden, das bezieht sich auf alle Lebensbereiche. Ist ein bisschen wie fliegen: Wir starten und das geht steil nach oben, meist ist es mit viel Kraft verbunden und Schmerz. In der Mitte ist es angenehm, ab und an kommen ein paar Turbulenzen dazwischen, welche dich aber nicht beeinflussen. Kurz dagegengelenkt und du fliegst weiter. Schwierig wird es beim Ziel, denn die Landung ist meist das schwierigste an so einem Flug. Besonders wenn du das alles zum ersten Mal machst und du nicht weißt, ob du irgendwann diesen Ort wieder verlässt. Mit einem unbehaglichen Gefühl rast du mit einem Affenzahn auf die Erde zu und setzt es mit viel Zärtlichkeit auf der Erde ab.
Du bist angekommen!

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