Dalang geht’s

Jeder kennt die stumpfen Floskeln: Du musst dich in den Prozess verlieben.  und: Der Weg ist das Ziel.

Die habe ich auch schon unglaublich oft gehört, somit muss ich sagen: Die SIND ausgelutscht.

Mittlerweile haben wir alle diese Sätze schon mal in irgendeiner Form gehört und wir wissen auch was sie bedeuten. Doch hat sich wirklich schon mal jemand, der grade auf dem Weg in sein Leben ist an diesem Satz orientiert? Um so stumpfer diese Sätze werden desto mehr verlieren sie ihren Sinn und den Schubsen zum Tun. Ich merkte, auch wenn ich sie verstehe und weiß, dass es wahr ist was da so gesagt wird, meinst du echt ich hätte aufgrund dieser Sätze angefangen? Nope, nicht im Geringsten.

Was war es nun, das mich auf meinen Weg brachte?

Ich muss gestehen, ich weiß es nicht wirklich. Zumindest habe ich nicht tief genug gegraben. Was ich aber weiß ist, dass ich schon auf meinem Weg angekommen bin. Auf jeden Fall dem, der mich zum nächsten bringt. Somit sitze ich nun an einem Sonntag in meiner Küche (die ich übrigens schon sehr zum Arbeitszimmer umfunktioniert habe) und schreibe. Arbeite an meinen Plänen für den Podcast und hadere mit meinem Brainfucker. Denn ich habe eine Aufgabe bekommen, die ich gut aufgeschoben habe und nun eigentlich heute erledigt haben sollte. Ob das Prokrastination ist, ich weiß nicht, es ist einfach eine fucking Überwindung nötig das zu tun. Und ich nenne es jetzt aus Einbildung mal „Komfortzone-verlassen“. (Wie wir wissen, Einbildung ist auch eine Bildung)

In den letzten Nächten lag ich öfter mal wach oder im Halbschlaf und es ging mir unglaublich viel im Kopf umher. Die Frage: Warum, auch wenn ich den Podcast so sehr liebe und den Blog hier, ich immer noch wenig dafür mache. (Ansprüche an mich selbst? Läuft! Rückwärts und Bergab)

Okay, wir bleiben mal in der Realität. Beides macht mir Spaß und ich gehe gern den Weg, jedoch fange ich an mich zu langweilen, deswegen sinkt meine Inspiration. Nein, ich finde das Prinzip nicht im Grunde langweilig sondern, dass ich wieder in eine Routine komme. Bei solche Dingen ist es mein Hirntod, wenn ich anfange eine Routine aufzubauen. Denn es gibt nichts Schlimmeres für meinen grauen Matsch, als wenn ich etwas schon einigermaßen kann und ich es im Schlaf mit links anfange zu machen.

Das soll jetzt keine Selbstbeweihräucherung sein und heißt auch nicht, dass ich hier alles zu 100 % in der Perfektion lebe. Nein, es ist mehr der Drang noch mehr können zu wollen und es grade nicht lernen zu können. Das deprimiert mich an gewissen Tagen ziemlich und ich steck kurz meinen Rotschopf in den Sand, bemitleide mich einige Momente selbst und reiß ihn dann aus der Erde mit den Worten: „Jetzt beweg deinen Hintern!“. Ja, und dann? Dann reiße ich bildlich gesehen Bäume aus und leg los. Ich hab Dinge vor Augen, setze sie um und gebe mein Bestes. Am Ende des Tages habe ich wahrscheinlich mehr geschafft als in der ganzen restlichen Woche. 

Ärgerlich, aber wer war schon mal wandern? Du? Gut, dann kennst du wahrscheinlich das Phänomen, dass wenn man den Berg hoch geht, nicht gleich losrennt wie auf nem 100-Meter-Sprint. Und dann kommt ein Stücke wo man hochguckt und sich selbst sagt: „Bis dahin zieh ich durch und dann gönn‘ ich mir das nächste Stück in Ruhe!“. So ungefähr läuft meine Arbeit mit Blog und Podcast ab. Zeitenweise schleppe ich all das was mein Herz so zu sagen hat den Berg hoch, geb mein Bestes und dann kommt ein Stück dass ich schnell hinter mich bringen will.

Mir fällt gerade auf, dass das ein bisschen so klingt als wär das alles eine Qual zu machen. Aber ist es nicht. Ich brauche diese Pausen um mich wieder neu zu sortieren und nachzufragen was ich wirklich für die nächsten Schritte will. Das ist das gute an diesem Weg, denn ich kann mir die Gegend angucken und wenn mir das Stück gerade nicht gefällt lauf ich eben schneller. So! Jetzt gefällt mir die Metapher des Wandern besser.

Wenn wir alle irgendwann auf unserem Weg angekommen sind und wir dorthin laufen, wo wir glauben anzukommen. Was beinhaltet das die Bedingung diesen Weg zu gehen? Einfach nur laufen? Durchzuhalten? Andere mitzunehmen? Auch ab und an mal die Blumen am Rand zu gießen?

Ab und an frage ich mich bis heute warum wir das alles erst rausfinden müssen. Warum wir all die Narben und Lehren mit uns nehmen. Ist das symbolisch für das loslassen des materiellen Zeug, das wir irgendwann auf dem Weg hinter uns lassen, weil wir es nicht mehr mitnehmen müssen?

Eins weiß ich auf jeden Fall, die Menschen die ein Stück mitlaufen, sollten niemals der Grund sein, zum Umdrehen oder Abbiegen. Denn es ist der Weg eines jeden und da sollten wir die Eier in der Hose haben und dort bleiben.

Gerade scheine ich in der Phase des „Bewusst werden“ zu sein. Die Strecke auf der man realisiert, dass wir die fünf Paar Socken, das Fernglas und auch das Fotoalbum der Familie nicht mit auf der Reise brauchen. Anfangs scheint das alles noch sinnvoll gewesen zu sein. Sinnvoll zum zurückblicken und eine Ausreden zu haben, stehen zu bleiben. Ganz lange habe ich jetzt überlegt zurückzugucken um zu sehen was da alles war. Doch um ehrlich zu sein, wirklich interessieren tut es mich nicht. Es hat einen Grund warum es dort ist, aber ich muss es nicht mitnehmen, nur weil es mal da waren.

Während ich so darüber nachdenke, was mein Weg ist und wie ich mir das vermeintliche „Ziel“ vorstelle, merke ich, dass es wirklich so ist. Man geht lieber den Weg, als endlich anzukommen, denn der Weg alleine kann sich schon anfühlen wie ankommen. Und das tut es grade immer mehr. Denn je mehr ich Zeit damit verbringe zu lernen was für mich wichtig ist und mir Freude bereitet, desto mehr Freude erfüllt mein Herz.

Der Weg auf dem du läufst, wird von vielem gesäumt, das du vielleicht verpasst, aber glaub mir, jede Blume wächst irgendwo ein zweites Mal. Keine Panik, es geht da lang.

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