Ich brauche mich

Noch nie habe ich so sehr gemerkt, dass ich für mich da sein muss, wie in den letzten Wochen. Vier Wochen fast jeden Tag jemanden an meiner Seite zu haben. Einen Menschen der in meiner Wohnung mit mir lebt, weil er Urlaub macht, weil die Person mich besuchen will. Albtraum für mein Nervenkostüm. (Sorry, ich hab euch trotzdem lieb)

Das mag für den ein oder anderen nicht so anstrengen klingen. Für mich jedoch ist es unglaublich anstrengend, auch wenn ich es nicht zugebe. Es ist so, dass ich körperlich wieder mal auf das ganze Szenario reagiere und merke, dass ich meine innere Stimme verloren habe.

Genau das wollte ich doch verhindern, ich wollte doch mehr auf mich achten. Wo war denn meine Selbstliebe?

Das ist eine gute Frage. Und auf die Frage habe ich auch eine Antwort. Sie war da! In diesen Wochen habe ich zwar nicht bemerkt, dass mich das alles stresst und ich eigentlich mal einfach nur Ruhe brauche. Aber ich habe diese Wochen so genossen, denn ich habe vieles gemacht, was mir Freude schenkte. Mit dem Schiff fahren, leckere Sachen essen, Lachen bis man Bauchschmerzen hat und tiefe Gespräche mit Menschen die ich liebe. Wenn ich mal ehrlich zu dir bin: Ich bereue nichts!

Doch es gibt ein „Trotzdem“, so blöd es auch sein mag. Nichts im Leben funktioniert ohne ein „Aber“. Vielleicht sind die so klein, dass sie irrelevant werden aber vielleicht auch so groß, dass man sie beachten sollte. Besonders wenn es sich um deinen Körper handelt, da müssen wir mehr Gefühl für bekommen.

Irgendwie habe ich so immer das Gefühl zwischen den Stühlen zu stehen. Genießen oder doch Achtsamkeit? Das muss doch zusammen gehen. Verdammt, warum kann ich das noch nicht.

Jep, genau so geht es mal nicht. Toll gemacht, Gloria.

Dieses genießen der Achtsamkeit ist eine Herausforderung für mich. Jedoch eine die ich wirklich will, also ich will das so richtig. Denn es ist mir nicht nur wichtig, dass ich gesund und fit bin sondern auch, dass ich mit meinen Gedanken und Gefühlen genau diese Fakten genießen kann. Zu meiner Verteidigung (natürlich vor mir selbst) habe ich das in dem letzten Jahr echt sehr gut gelernt. Denn vor einem Jahr habe ich mich zu Dingen hinreißen lassen, auf die ich jetzt weniger stolz bin. Genauso habe ich mich dagegen nicht gewährt, obwohl in mir eine richtig laute Stimme mich schon regelrecht ankreischte. Naja, gut, das ist vorbei und ich hab drauf gelernt. (Frau muss ja auch das Positive sehen)

Etwas das mich sehr irritiert in der ganzen Lernphase: Um so weiter ich komme um so weniger habe ich das Gefühl alleine zu sein.

Das Bedürfnis tausende von Menschen um mich in meinem sozialem Umfeld zu scharen ist nicht mehr da. Kein Kämpfen um die Aufmerksamkeit der Menschen und mehr Ich. Viel mehr ICH.

Bei meinem Interview mit Kathrin Weidner habe ich einen Satz gesagt, den ich erst als ich ihn aussprach realisierte.

Ich sehe es nicht mehr ein mich so zu geben, wie andere es gern hätten, denn das ist mein Leben und das muss ja ich ein Leben lang leben.

Früher habe ich nur von anderen Menschen gehört, dass sie Sätze hörten die ihr Leben veränderten. In diesem Fall habe ich den Satz selbst gesagt. Und ich merke auch, an meinem Verhalten, dass ich nicht mehr um das wohlbekannte „hey-hier-bin-ich-und-ich-bin-besonders“ kämpfe, das weiß ich nämlich. Sollte mich jemand aufgrund dieses Faktes nicht mögen oder einfach nicht mit mir klar kommen, dann muss ich wohl oder übel damit leben. 

Deswegen ist es auch okay, wenn ich mal sage: Nope, not today! Ich will heute nicht.

Ein Grund warum ich mir gerade Gedankendarüber mache ist, dass ich merke, dass ich Urlaub brauche. Obwohl ich hier schreiben kann und auch an meinem Podcast arbeiten kann, ich brauche verdammt nochmal Urlaub. Woran das liegt? An meinem Teilzeitjob. Jeder der mich etwas kennt, weiß, dass ich ihn gern mache, aber mich manchmal etwas verantwortungslos fühle. Nimmt man mir sowas weg, dann geh ich etwas ein. Das hat irgendwie nichts mit der Arbeit im Generellen zu tun, sondern mehr damit, dass ich dafür wahrscheinlich nicht gemacht bin. Besser gesagt: Das ist nicht meine Berufung.

Um so mehr freue ich mich auf meinen Urlaub in Hamburg. Noch nie war ich in der Hafenstadt und schon gar nicht bin ich alleine irgendwo hingereist. Das alles macht mir zwar etwas Angst aber wie soll ich Pflanze denn sonst wachsen?! Und es ist auch die Freude, endlich mal nicht in meiner Wohnung aber alleine und für mich alleine zu sein, viel größer. Denn genau das brauche ich. Fremde Welt nur mit mir.

In meinem Hirn kommen dauernd Gedanken auf, dass ich eigentlich nur wie jetzt auf einem stillen Balkon sitzen und schreiben will. Keiner der mir sagt, das muss morgen fertig sein und in einer Stunde brauche ich das von dir. Schreiben wann ich will, genauso aufzeichnen von Folgen, es macht mir so nämlich viel mehr Spaß hier meine Gedanken festzuhalten.

Der ganze August, so voll er auch war mit Erinnerungen, Erfahrungen am Bahnsteig und schönen Gefühlen, so froh bin ich, wenn ich in meinem Zug nach Hamburg fahre. Es gibt vieles was schön ist und zu kurz war, aber es gibt genauso auch Dinge die zu lang sind und aufhören schön zu sein.

Sei dankbar für die kurzen schönen Momente und ebenfalls für die langatmigen Momente die kein Ende nehmen wollen.

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