Moin Moin!

Als ich dort so im Restaurant saß und nicht bedient wurde fingen die Gedanken an zu sprudeln. Was ist wenn hier Selbstbedienung ist und ich mich vor allen Leuten einfach so hingesetzt habe. Kann ich denn einfach aufstehen und mir doch was holen? Sieht das komisch aus?

Je mehr Gedanken ich mir machte um so unangenehmer wurde die Sache, aber auch lächerlich. Denn ich selbst merkte, dass ich mir vollkommen umsonst Gedanken machte. Und wenn es so wäre, ich kann mich ja einfach nur zum Gucken hingesetzt haben. Wen hat es zu interessieren was ich tue? Verdammt nochmal, niemanden.

Die ersten Stunden in Hamburg habe ich mit viel Denken und Fühlen verbracht. Momentan geht viel in mir vor. Jegliches Gefühl das man so haben kann kommt in mir hoch, doch leider überwiegt großteils eins: Wut. Ich habe eine unglaubliche Wut und die frisst an meinem Körper, wortwörtlich. Denn mein Verhalten ist nicht wirklich gesund, viel schlafen, wenig essen, kaum reden und am besten nur draußen sitzen und gucken. Für manch einen mag das irgendwo sinnvoll sein, aber leider schreit mein Körper grade richtig. Und zwar nach Freiheit. Und die spüre ich hier in Hamburg.

Würde mir jemand ein Jobangebot hier machen oder irgendwoanders, das nicht Berlin ist, ich würde auf der Stelle gehen. Langsam beginne ich zu denken, dass in meinem Leben einiges noch kommt. Da dachte ich dieses Jahr war schon voller Veränderung, doch da kommt mehr, sehr viel mehr. Der Grund dafür könnte meine innere Unruhe sein. Oder auch einfach der Fakt, dass mein Unterbewusstsein woanders ist als ich. Es will quasi weg von mir und da ich aber dranhänge muss ich mit. Sorry, Unterbewusstsein, ich bin leider dein „Boss“ und kann dir irgendwie alles in den Weg legen was es so gibt, damit ich nicht auf dich hören muss. Hab schon verstanden, ist etwas dämlich.

Wann fing das Ganze an? Jedes Ereignis durchgegangen komme ich zu dem Punkt als ich mich das erste Mal auf Arbeit unglaublich gelangweilt habe. Damals habe ich mich sogar mit Sex abgelenkt, keine gute Idee, das sag ich dir. Als die Flaute vorbei war und ich mich wieder beschäftigt habe, mit Problemen die nicht meine sind, kam der ganze Müll wie ein Boomerang zurück. Dieser Boomerang hat jeglichen Stress, den man so im Büro finden konnte eingesammelt und mir mitgebracht. F*ck!

All das was ich nie haben wollte, war da. Und als ich nach mehr als einer Woche mir wieder mal etwas vernünftiges zu essen in die Kaulucke schaufelte, merkte ich, dass ich all das schonmal hatte. Im Bowlingcenter. Immer wenn ich anfange mich im Kreis zu drehen, dreht sich alles um und läuft rückwärts. Alles was ich anfangs so toll fand ist auf einmal genauso schei*ße wie im Bowlingcenter. Jedoch viel es mir dort leichter zu gehen. Da hatte ich ja einen neuen Job. Und da saß ich nun, mit vollem Mund am Strand und frage mich: Why the f*ck habe ich diesen behinderten Glaubenssatz???

Du fragst dich welcerh Glaubenssatz? Der, dass ich etwas machen müsse, was die Gesellschaft anerkennt und jeden Tag gleich ist. Natürlich lautet der nicht genau so, denn ich habe grad erst jetzt bemerkt, dass ich etwas ganz wichtiges lernen muss.

Es ist egal was andere denken, solang ich glücklich bin.

Wenn ich jetzt denke mein Leben sei fremdbestimmt, was war es dann Anfang des Jahres? War ich eine Marionette?

Nachdem der zweite Tag vorüber war und ich mir vorkam wie bei einem Schweigeseminar, wurde mir einiges klar. Ich war wieder am Anfang, am Anfang eines Neuanfangs. Ich merkte nachdem ich meinem Coach schrieb was mir auf der Seele lag, dass ich genau an dem Punkt bin an dem ich vor einem Jahr war. Nur etwas anders. Weiter.

In meinem Leben sollte es so viel mehr geben. Und das sage ich nicht weil ich das Gefühl habe, mir fehlen materielle Dinge. Nein ich schreibe das hier auf weil ich diese Fülle an Gefühlen nicht mehr halten kann. Das ständige „Mir fehlt was“-Mangel-Denken ist anstrengen geworden. Von dem ganzen negativen Denken habe ich die Schnauze voll. Warum kann ich nicht das teilen was mich so erfüllt? Warum tue ich nicht mehr? Ist das auch wieder Mangeldenken?

Nun ist der dritte Tag hier in Hamburg und ich merke, dass ich nie gelernt habe Verantwortung für das zu übernehmen was ich tue. Es schien mir immer so aber im Grunde merkt man erst wenn man alleine ist, dass da viel mehr ist. Viel mehr für das ich die Verantwortung trage und wir Menschen tragen lieber die von anderen als die von uns selbst. Denn wer ist denn bitte zur Rechenschaft zu ziehen wenn man alleine im Urlaub ist und das Gefühl hat nichts produktives zu tun? Na, du. Sonst keiner. Ist ja niemand da. Schei*e gelaufen würd ich sagen. Nachdem ich mir ein Interview als Ausrede hab einfallen lassen wurde es mir am dritten Tag bewusst. Nein, es lag nicht daran, sonder daran, dass ich im Mangel dachte und mir dauernd irgendwas vorhielt, was nicht da war. 

Gibt es wirklich ein Leben in dem wir niemals unzufrieden sind? Oder kann ich wirklich meine Fülle leben und damit meine Verantwortung zurückholen? (Btw. Während ich diese Zeilen im Jenischpark schreibe hat mir eine Ameise an den Hintern gepisst, danke für dieses Zeichen)

Der letzte Tag meines Urlaubs, ich sitze an der Alster und überlege wie es weitergehen soll. Spontan haben mein Coach und ich noch eine persönliche Session gemacht und darüber gesprochen. Während des Gesprächs änderte ich nicht nur einmal meine Meinung wie es morgen weitergehen soll. Werde ich weiterhin meiner Gesundheit Vorrang geben oder werde ich mich meiner Angst stellen? Es ist so eine Sache für sich, dieses bewusste Leben.

Jedoch gibt es etwas das mich nicht loslässt. Der Gedanke, dass ich eine Arbeit haben könnte, bei der ich so leben kann wie ich es die Woche lang getan habe: Voll von Selbstverantwortung.

Diese Woche hat mir gezeigt wie wichtig es ist sich das vor Augen zu führen aber auch wie befriedigend es sein kann. Denn so weiß man, niemand außer mir kann die Verantwortung tragen und ist somit schuld an der Situation. Es fühlt sich anfangs blöd an, weil wir es verlernt haben aber dann merkt man welche Macht man hat.

Ich denke meine Entscheidung steht fest. Je mehr ich daran denke wie leise ich geworden bin, seit ich dort anfange zu verrotten, um so mehr will ich das. Es ging solange um andere in meinem Leben und deswegen wird das auch nun nicht wieder überhand nehmen. Das kann ich gar nicht zulassen, allein weil ich all die Erfahrungen dieses Jahr gemacht habe. Deswegen werde ich unvorbereitet darauf losrennen. Da kann es noch so weit außerhalb meiner Komfortzone liegen, da muss ich durch. Nicht weil andere es gern hätten oder es besser für meine Gesundheit ist. Nein, weil ICH das entscheid, und verdammt nochmal bewusst.

Das Denken über Depression oder Burnout machen mich wahnsinnig und alles was sich ein wenig negativ anfühlt nervt mich nur noch. Warum ist es schwer glücklich zu sein? Naja, sonst wär es jeder oder? Das soll kein Vorwurf sein, aber ich denke auch für ein wenig Glück muss man etwas tun. Das sehen viele nicht ein und warten auf ihr Glück, das ganze Leben lang. Es ist nicht so, dass ich nicht arbeiten will und schon gar nicht, dass ich es nicht gern mache. Nein, ich habe keine Energie zu arbeiten, wenn man mich schon im Keim erstickt. Also, lasst mich atmen und arbeiten, denn das kann ich wirklich gut.

Da wo ich hin will, meinst du es ist dort schöner als da wo ich grade bin? Es mag sein, aber wenn ich es nicht versuche weiß ich es erstens nicht und zweitens wird es vom träumen allein auch nicht leichter. Deswegen muss ich mal sehen was dahinten so abgeht, was am Rande des Himmels so noch zu erwarten ist. Ich verspreche dir zu sagen wie es war, denn gelohnt wird es sich schon haben wenn ich losgelaufen bin.

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