Ich habe noch niemanden kennengelernt, der einen einfachen Start im Leben hatte. So war meiner auch nicht der leichteste, zwar kein Albtraum, aber auf keinen Fall leicht.

Und so begann meine Reise:

Ich traf unfreiwillig auf das Thema Persönlichkeitsentwicklung. 2008, als meine Mutter sich mit 38 entschied ihre Anstellung als Tiefbauingenieur zu beenden. Sie startete eine Ausbildung zum Coach und Trainer. Nicht nur sie wuchs aus diesem Schritt, sondern auch wir als Familie.

Mir war damals nicht ganz klar, dass das Ganze mit intravenösem Hörbuch-Hören verbunden war. Wenn dir Winterheller mit 11 erklärt, dass man zuerst Holz in den Kachelofen tun sollte, damit man es warm hat, denkst du dir auch deinen Teil.
Natürlich blieb nach einer gewissen Zeit viel hängen, wie genau dieses Beispiel. Für meine Mutter wirkte ich in meiner Frühpubatärenphase genervt davon. Jedoch sog ich das Wissen auf wie ein Schwamm, da ich gekonnt die Kopfhörer zur Tarnung verwendete.
Irgendwann war der Punkt erreicht, wo ich in eine Art Depression verfiel, aber welcher Teenie tut das nicht irgendwann? Meine Mutter schliff mich dann irgendwann zu einer Psychologin. Um ehrlich zu sein, ich war ihr damals schon dankbar dafür. Warum? Weil ich dort zum ersten Mal bewusst darüber nachdachte, was eigentlich mein Problem war. 

Mir wurde klar: Ich brauche meine Mutter! 

Diese Erkenntnis kam mir in einem Zeitraum, der schwer für mein Unterbewusstsein war.  Denn als ich zwischen acht und zwölf Jahre alt war, fuhr ich jedes Jahr mit meiner Schwester nach Berlin, zu meinen Großeltern.
Ich habe nur minimale Erinnerungen an diese Zeit vor meinem dreizehnten Geburtstag, abgesehen von meinem Kennenlernen mit der Persönlichkeitsentwicklung.
Mein Unterbewusstsein schützt mich seit Jahren.
Wovor fragst du dich?
Vor Missbrauch.
Es mag ein Tabuthema sein und ich latsch das hier auch nicht breit, aber es bleibt irgendwo ein Teil von mir. Der Person, die mir das angetan hat, habe ich vergeben und für mich ist diese Sache durch. Klar, habe ich meine Kratzer davon mitbekommen, aber all das kann man bewältigen.

Mit meiner Entwicklung wurde ich die Außenseiterin in der Schule, weil ich mir mein Hochdeutsch wieder angewöhnte, mich wieder vollkommen als Deutsche sah und mir von keinem mehr sagen ließ wie ich zu sein hatte. Dazu gehörte auch meine Familie, die mich wahrscheinlich immer für ziemlich frech und vorlaut gehalten hat. Dabei habe ich nur versucht nicht in dem Sumpf dieser Kleinkariertheit und Langeweile zu versinken. Gelang mir auch gut, denn irgendwann färbte es auf die Anderen ab und ich galt als Gewissen der Familie.

Der nächste Schritt meiner Entwicklung war meine erste Beziehung, eine Fernbeziehung, die über vier Jahre hielt. Ich lernte was Eifersucht ist, wo ich nicht in einer Beziehung stehen will und dass ich definitiv mehr wert bin. Nachdem sich mein damaliger Freund drei Wochen vor dem Abi und unserem Plan zusammenzuziehen von mir trennte, brach meine heile Welt zusammen. Nicht nur in zwei Teile sondern viele einzelne. Ich wollte doch zurück nach Deutschland. Das Abi wurde nur zweitrangig, denn in mir wuchs die Angst in der Kleinstadt bleiben zu müssen. Meine Freiheit schwindet. Dass ich aber durch diese Trennung die größte Freiheit erlangte, wurde mir erst zwei Tage vor meinen Prüfungen klar. Kurz zusammengefasst, er hat Scheiße über mich erzählt und ich bin nicht mal ausgetickt. Natürlich war ich sauer. Jedoch war mir, nach einem Telefonat, in dem ich ihm erklärte wie sinnlos seine Aktion war, bewusst, dass ich vier Jahre meines Lebens an jemanden verschenkt hatte, der mich nicht mal kannte. 

Mein Entschluss: Nie wieder lasse ich mich so verbiegen! 

Für diesen Menschen hatte ich mein liebstes Hobby Ballett aufgegeben und bin kläglich in mir verkümmert. Da sieht man mal was Abhängigkeit, nein, nicht Liebe, mit einem macht.

Danke, für diese Zeit, ohne sie hätte ich nie gewusst was Freiheit ist. Diese Zeit bereue ich nicht, es hätte vielleicht anders laufen können, aber das tat es nicht.

So stolperte ich durch mein Abitur und war immer noch fest entschlossen nach Deutschland zurück zu gehen. Tat ich auch! Zwei Wochen nach dem Abi war ich dann auf dem Weg nach Berlin. 

In Berlin zog ich zu meinem Onkel und meinen Großeltern. Ich hatte ein „eigenes“ Zimmer mit einer Couch zum Schlafen und einem halben Kleiderschrank. Meine Freunde waren 1000 km weit weg. Wunderbare Voraussetzungen für einen Neustart. Nicht!

Doch es sollte alles anders kommen. 

In meinen ersten Monaten lernte ich einen jungen Mann kennen. Er zeigte mir, dass ich eine liebenswerte und wunderschöne Frau bin. An dem Punkt wurde mir klar, dass mir sonst nie jemand wirklich gesagt hatte, dass ich schön bin. Die erste Lehre.

Fünf Stunden, an der Kasse bei Edeka, ein Albtraum! Nie wieder in meinem Leben werde ich der Kassiererin einen Vorwurf machen, wenn sie langsam ist. Das ist ein Scheißjob. Lehre Nummer zwei.

Mehrere Monate vergingen, in denen mein Onkel kaum ein Wort mit mir wechselte, ich durfte nicht kochen, Freunde mitbringen war auch nicht drin und das schlimmste was passierte, war dieser Satz: 

„Es interessiert niemanden, ob du glücklich bist!“ 

Tada, da war die dritte Lehre.
Dieser Satz zerstörte mein Verhältnis zu meinem Onkel, da ich ab diesem Punkt wusste, hier kann ich niemals bleiben und wachsen. Ich zog aus und änderte meine Handynummer, der Kontakt war abgebrochen. Irgendwann sprach man sich aus, aber ich meide es weiterhin mit ihnen in Kontakt zu treten.

Ein zweites Mal war ich in Berlin am Anfang. Kaum Freunde und kein festes Einkommen. Wobei letzteres nie ein großes Problem war. Ich konnte schon immer gut mit Geld umgehen. So bestritt ich ein ganzes Jahr mit 450 Euro im Monat und zur Not meinen Ersparnissen.

In dem letzten Jahr vertiefte sich dann die Beziehung zu einer Freundin. Nachdem sie sich getrennt hatte und ich nicht ganz ohne Schaden aus dieser Sache raus ging, wuchsen wir verdammt eng zusammen. Zu diesem Zeitpunkt war sie schon meine beste Freundin und es gab eine Zeit, da trafen wir uns fast täglich. Zu der Zeit kam noch ein weiterer Mensch in mein Leben, meine Cousine (scheiß mal drauf welcher Grad). Mit beiden entwickelte ich mich so stark weiter. Ich erfuhr Dinge über mich, die hätte ich mir nicht träumen lassen. Im Sommer eskalierte eine Kleinigkeit und wir stritten uns gewaltig. Für mich war das ein riesen Thema. Seit meiner Beziehung schleifte ich es mit und  hatte es nie aufgearbeitet. Glaub mir, ich hatte riesen Schiss, wieder ohne wen dazustehen, zum Glück trat dieses Szenario nie ein. Trotzdem war im Herbst der Punkt erreicht, wo ich die Schnauze voll hatte, vom Rumsitzen, Chillen, Essen gehen, draußen die Gegend unsicher machen und Typen kennenlernen. 

Mit dem Willen mich weiterentwickeln zu wollen, kaufte ich mein erstes Onlinecoaching, suchte mir meinen ersten persönlichen Coach, fing an Bücher zu lesen und startete mit meinem Insta-Blog.

Mittlerweile habe ich mehrere Wendungen in meinem Leben durchgemacht und bin wieder an einem Punkt angekommen, an dem ich eine Entscheidung treffen muss. Eine große und für mich ziemlich schmerzhafte. Eine Trennung von meiner besten Freundin und meiner Cousine. Dieser Schritt war schwer, aber ich kann mit Stolz sagen, ich habe mich geöffnet und war zu 100 % Ich in dem Moment. Dafür, dass ich so mutig war und diesen Schritt gewagt habe, musste ich mir noch Vorwürfe und Beleidigungen anhören. All die bösen Worte ließen mich kalt, da ich wusste, sie stimmten nicht. Viel mehr schmerzte der Fakt, dass keiner der beiden mich für wichtig genug hielt zu kämpfen.

All diese Zeiten waren nie umsonst. Ebenso bereue ich nicht eine Sekunde davon. Im Gegenteil, ich bin so unglaublich dankbar für all diese Momente und Lehren meines Lebens. 

Mal sehen was der Rest des Anfangs noch so bringt, denn das war noch nicht alles.

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